01 Sep
2014

Schwangerschaft und Geburt - ein Wegweiser durch den Behördendschungel

Einhergehend mit einer Schwangerschaft verändert sich sowohl die familiäre Situation, als auch im Falle berufstätiger Mütter, deren Arbeitssituation. Kinder bedeuten auch eine finanzielle Veränderung. Welche finanziellen Zuschüsse Ihnen während der Schwangerschaft und auch darüber hinaus zustehen und welche Rechte Sie als Berufstätige am Arbeitsplatz haben, haben wir im Folgenden für Sie zusammengestellt.
Eingefügt in unsere Ausführungen finden Sie zudem einen Ämterfahrplan.

I. Krankenversicherung

Alle regulären Leistungen rund um Schwangerschaft und Geburt sind für Kassenpatientinnen zuzahlungsfrei. Schwangere zahlen keine Praxisgebühr, keine Zuzahlungen für verordnete Arzneien, keine Tagessätze für die Entbindung im Kranken- oder Geburtshaus. Weitere Leistungen sind die Vorsorgeuntersuchungen, häusliche Pflege und Haushaltshilfe. Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf bis zu zehn Stunden Geburtsvorbereitungskurs, zehn Tage Nachsorge durch die Hebamme nach der Geburt sowie Beratung bei Problemen in der Stillzeit. Auch die Kosten für eine Rückbildungsgymnastik werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Schwangere für Untersuchungen von der Arbeit freizustellen, soweit die Untersuchungen nur während der Arbeitszeit möglich sind. Dadurch darf kein Verdienstausfall entstehen.

Während der Mutterschutzfrist, also in der Regel sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt und für den Entbindungstag erhalten gesetzlich versicherte Arbeitnehmerinnen von ihrer Krankenkasse Mutterschaftsgeld. Die Kasse zahlt maximal 13,00 € pro Tag, der Arbeitgeber stockt die Differenz bis zum letzten Nettogehalt auf. Privat versicherte Frauen erhalten Mutterschaftsgeld vom Bundesversicherungsamt in Berlin. Der Anspruch auf Mutterschaftsgeld ist gesetzlich auf 210,00 € für den gesamten Zeitraum der Schutzfrist begrenzt. Frauen, die bei Beginn der Schwangerschaft keine Arbeit haben, aber bei einer gesetzlichen Krankenkasse mit Anspruch auf Krankengeld versichert sind, erhalten Mutterschaftsgeld in Höhe des Krankengeldes.

Selbständige Frauen, die privat krankenversichert sind, erhalten kein Mutterschaftsgeld. Sie müssen sich bei ihrer Versicherung erkundigen, ob und welche Leistungen sie aufgrund des Versicherungsvertrages erhalten.

Während Mutterschutz und Elternzeit sind gesetzlich versicherte Arbeitnehmerinnen bei ihrer Krankenkasse bis zu drei Jahre lang beitragsfrei weiter versichert. Private Versicherungen berechnen hingegen den Tarif unabhängig vom Einkommen. Auch wer vorübergehend nichts verdient, muss deshalb weiter zahlen.

Wann

Was

Wo

Benötigte Dokumente

Vor der Geburt Mutterschutz
Mitteilung der Schwangerschaft
Arbeitgeber Bestätigung des Arztes
6 Wochen vor der Geburt Mutterschaftsgeld
Stellen Sie einen Antrag auf Mutterschaftsgeld
Krankenkasse Bescheinigung über vorraussichtlichen Geburtstermin
Nach der Geburt Geburtsanzeige
Anmeldung beim Standesamt. Ist das Baby in einer Klinik zur Welt gekommen, kann die Anmeldung in der Regel dort erfolgen und die Daten werden direkt an das Standesamt übermittelt. Die Geburtsurkunden bekommen Sie per Post oder persönlich beim Standesamt. Kam das Baby Zuhause zur Welt, müssen Sie es selbst beim Standesamt anmelden.
Standesamt, in dessen Bezirk das Kind geborden wurde Geburtsbescheinigung der Klinik, Personalausweis oder Reisepass, Familienstammbuch oder Heiratsurkunde, bei ledigen Müttern Geburtsurkunde und ggf. Nachweis über bereits abgegebene Vaterschaftsanerkennung und Sorgeerklärungen sowie Abstammungs- bzw. Geburtsurkunde des Vaters
Spätestens 7 Wochen vor Beginn der Elternseit Elternzeit
Teilen Sie dem Arbeitgeber schriftlich mit, wann und wie lange Sie Elternzeit nehmen möchten und ob Sie eine Teilzeitbeschäftigung während der Elternzeit möchten. Achten Sie darauf, dass Ihr Arbeitgeber diese Mitteilung schriftlich bestätigt.
Arbeitgeber  
Im 1. Lebensmonat Krankenversicherung
Sie können Ihr Kind vorab telefonisch bei Ihrer Krankenkasse oder der Ihres Partners fpr die Familienversicherung anmelden. Das Kind wird dort beitragsfrei mit-versichert. Die erhalten dann ein Anmeldeformuler, das Sie ausgefüllt mit einer Geburtsurkunde zurück schicken müssen. Die Versicherungskarte für das Kind wird Ihnen zugeschickt.
Krankenkasse Zu diesem Zweck ausgestellte Geburtsbescheinigung des Standesamtes
  Steuerklasse und Kinderfreibetrag
Lassen Sie das Kind auf Ihrer Lohnsteuerkarte eintragen (Kinderfreibetrag> und ändern Sie, wenn gewünscht, die Steuerklasse.
Einwohnermeldeamt des Wohnortes Personalausweis, Lohnsteuerkarte(n), Geburtsurkunde, bei unehelichen Kindern Vaterschaftsanerkennung
  Mutterschaftsgeld
Informieren Sie Ihre Krankenkasse und den Arbeitgeber über den genauer Geburtstermin Ihres Kindes. Das ist die Basis für das restliche Mutterschaftsgeld nach der Geburt
Krankenkasse, Arbeitgeber Geburtsurkunde
Bis Ende des 3. Lebensmonat Elterngeld
Ein schriftlicher Antrag ist erforderlich. Das Elterngeld wird auch rückwirkend gezahlt, allerdings nur für drei Monate ab Antragsstellung
Zuständige Elterngeldstelle Ihres Bundeslandes Zu diesem Zweck ausgestellte Geburtsbescheinigung des Standesamtes, Nachweis zum Einkommen, Arbeitszeitbestätigung des Arbeitgebers bei Teilzeitarbeit im Bezugszeitraum bzw. Erklärung über die Arbeitszeit bei selbstständiger Arbeit, Bescheinigung der Krankenkasse über das Mutterschaftsgeld, Bescheinigung über den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld
Bis Ende des 6. Lebensmonats Kindergeld Familienkasse der für Ihren Wohnort zuständigen Arbeitsagentur Formular der Familienkasse, zu diesem Zweck ausgestellte Geburtsbescheinigung des Standesamtes
Spätestens 7 Wochen vor Ende des 2. Jahres der Elternzeit Elternzeit
Schriftliche Mitteilung, wie es weitergehen soll. Es besteht die Möglichkeit das 3. Jahr später zu nehmen (sowiet Elternzeit nicht bereits für 3 Jahre beantragt wurde)
Arbeitgeber  
Weitere Anlaufstellen vor und nach der Geburt Vaterschaftsanerkennung für Unverheiratete Standesamt, Jugendamt, Amtsgericht und Notar  

 

II. Mutterschutz

Alle Frauen, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, werden während der Schwangerschaft und nach der Geburt durch das Mutterschutzgesetz geschützt. Es besteht grundsätzlich Schutz vor einer Kündigung und vor Minderung des Einkommens. Darüber hinaus wird die Gesundheit der Schwangeren und des Kindes vor Gefahren am Arbeitsplatz geschützt.

1. Mitteilungspflicht
Das Mutterschutzgesetz bestimmt, dass werdende Mütter ihrem Arbeitgeber ihre Schwangerschaft und den mutmaßlichen Tag der Entbindung mitteilen sollen, sobald ihnen ihr Zustand bekannt ist. Es handelt sich hierbei um eine dringende gesetzliche Empfehlung an die betroffene Arbeitnehmerin, denn die Schutzpflichten des Mutterschutzgesetzes können nur bei Kenntnis des Arbeitgebers erfüllt bzw. ihre Nichterfüllung sanktioniert werden.

2. Gefahrenschutz
Der Arbeitgeber muss eine werdende oder stillende Mutter während der Schwangerschaft und nach der Entbindung so beschäftigen und ihren Arbeitsplatz so gestalten, dass sie vor Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt ist. Schwangere dürfen nicht mit schweren körperlichen Arbeiten und nicht mit Tätigkeiten beschäftigt werden, bei denen sie schädlichen Einwirkungen von gesundheitsgefährdenden Stoffen, Strahlen, Staub, Gasen, Dämpfen, Hitze, Kälte, Nässe, Erschütterungen oder Lärm ausgesetzt sind. Verboten sind des weiteren Akkord- und Fließbandarbeit. Werdende und stillende Mütter dürfen auch nicht in Nachtarbeit, an Sonn- und Feiertagen und nicht mit Mehrarbeit beschäftigt werden.

Im Einzelfall kann auch ein individuelles Beschäftigungsverbot eingreifen, soweit nach ärztlichem Zeugnis das Leben oder die Gesundheit von Mutter oder Kind bei Fortdauer der Beschäftigung gefährdet sind.

3. Schutzfristen
Ein eingeschränktes Beschäftigungsverbot besteht in der Mutterschutzfrist vor der Entbindung. Dies sind die sechs Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin. Die werdende Mutter kann beschäftigt werden, wenn sie dies ausdrücklich selbst erklärt. Sie kann aber ihre Bereitschaft zur Arbeit jederzeit widerrufen. Ein absolutes Beschäftigungsverbot besteht in der Mutterschutzfrist nach der Entbindung. Im Normalfall acht Wochen, bei Mehrlingen und bei Frühgeburten im medizinischen Sinn zwölf Wochen. Entbindet die Frau vor dem errechneten Termin, verlängert sich die Schutzfrist um die Tage, die vor der Entbindung nicht in Anspruch genommen werden konnten.

4. Schutz stillender Mütter
Während der Stillzeit gelten besondere Schutzvorschriften am Arbeitsplatz. Eine stillende Frau kann nach Wiederaufnahme ihrer Arbeit Stillpausen während der Arbeit beanspruchen. Durch die Stillzeit darf kein Verdienstausfall eintreten. Die Stillzeit darf von der stillenden Mutter auch nicht vor- oder nachgearbeitet und nicht auf Ruhepausen angerechnet werden.

5. Arbeitsplatzschutz
Arbeitnehmerinnen haben Kündigungsschutz während der Schwangerschaft und bis vier Monate nach der Entbindung. Voraussetzung für diesen Kündigungsschutz ist, dass dem Arbeitgeber zur Zeit der Kündigung die Schwangerschaft oder Entbindung bekannt war. Sie kann ihm aber auch noch innerhalb von zwei Wochen nach Zugang der Kündigung mitgeteilt werden. Nur in besonderen Fällen, die nicht mit dem Zustand der Frau während der Schwangerschaft oder ihrer Lage bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung stehen, kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis kündigen. Er muss aber vorab die Zustimmung zur Kündigung von der Aufsichtsbehörde einholen.

III. Elternzeit

Erfolgt eine rechtzeitige Mitteilung an den Arbeitgeber, schließt sich die Elternzeit unmittelbar an die Mutterschutzfrist an. Nach dem Ende der Schutzfrist kann die Mutter aber auch ihre Arbeit wieder aufnehmen und die Elternzeit erst zu einem späteren Zeitpunkt antreten. Die Eltern können die Elternzeit ganz oder teilweise gemeinsam nehmen.

Während der Elternzeit gilt ein besonderer Kündigungsschutz, d.h. der Arbeitgeber kann das Arbeitsverhältnis nur nach vorheriger Zustimmung der Aufsichtsbehörde kündigen.

IV. Elterngeld

Das Elterngeld soll Einkommenswegfall nach der Geburt des Kindes auffangen. Es beträgt 67 Prozent des durchschnittlich vor der Geburt monatlich verfügbaren laufenden Erwerbseinkommens, höchstens jedoch 1.800,00 € und mindestens 300,00 €. Für Geringverdiener und bei Mehrlingsgeburten wird das Elterngeld angehoben.

Maßgebend für die Höhe des Elterngeldes ist das Nettoeinkommen der letzten zwölf Kalendermonate vor der Geburt des Kindes. Das Mutterschaftsgeld inklusive dem Arbeitgeberzuschuss werden voll auf das Elterngeld angerechnet.

Anspruch auf Elterngeld haben Eltern die,

  • ihre Kinder nach der Geburt selbst betreuen und erziehen,
  • nicht mehr als 30 Stunden in der Woche erwerbstätig sind,
  • mit ihren Kindern in einem Haushalt leben und
  • ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben.
  • Das Elterngeld wird an Mütter und Väter für maximal 14 Monate gezahlt. Beide können den Zeitraum frei untereinander aufteilen. Ein Elternteil kann dabei höchstens zwölf Monate für sich in Anspruch nehmen, zwei weitere Monate gibt es, wenn sich der Partner an der Betreuung des Kindes beteiligt und dabei Erwerbseinkommen wegfällt.

Alleinerziehende, die das Elterngeld zum Ausgleich des wegfallenden Erwerbseinkommens beziehen, können aufgrund des fehlenden Partners die vollen 14 Monate Elterngeld in Anspruch nehmen.

Einkommen aus (Teilzeit)Beschäftigung wird auf das Elterngeld angerechnet.

IX. Orientierungshilfe

Dieser Leitfaden gibt eine Orientierung. Er ersetzt in keinem Fall eine rechtliche Beratung durch eine qualifizierte(n) Rechtsanwalt/Rechtsanwältin.

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