27 Mär
2017

Bausparverträge: Kündigung gut verzinster Alt-Verträge vom Bundesgerichtshof gebilligt

Angesichts der anhaltenden Niedrigzins-Phase versuchen derzeit viele Bausparkassen (z.B. BHW, LBS, Wüstenrot), sich durch tausende von Kündigungen ihrer Alt-Verträge zu entledigen, die eine (nach heutigen Maßstäben) relativ hohe Verzinsung der Bausparguthaben gewähren.

Die betroffenen Bausparer haben ihre (fest verzinsten) Bausparguthaben stehen lassen, ohne das (meist zuteilungsreife) Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen. Nun droht Ihnen ein Ende der jahrelang gewährten Zinserträge. Eine gleichermaßen sichere Kapitalanlage mit vergleichbarer Rendite ist derzeit auf dem Kapitalmarkt anderweitig nicht zu finden.

Die Bausparkassen begründen ihre Kündigung mit einer zweifelhaften Anwendung des allgemeinen Darlehensrechts (§§ 488ff. BGB), obwohl ihre seinerzeit mit den Kunden vereinbaren Vertragsbedingungen ein Kündigungsrecht oftmals ausdrücklich oder zumindest nach dem Vertragszweck ausschließen.

Strittig sind diejenigen Verträge, bei denen das Bausparguthaben noch nicht die vereinbarte Bausparsumme erreicht hat. Die hierfür von den Bausparkassen angeführten Kündigungsgründe werden in einer Vielzahl mittlerweile ergangener Urteile unterschiedlich bewertet. Insbesondere hatten die Oberlandesgerichte Stuttgart (Az. 9 U 171/15 und 9 U 230/15), Bamberg (Az. 8 U 24/16) und Karlsruhe (Az. 17 U 185/15) im Jahre 2016 entschieden, dass derartige Kündigungen auch 10 Jahre nach Zuteilungsreife der Verträge nicht möglich sind.

Nun hat der Bundesgerichtshof mit Urteilen vom 21.02.2017 (Az. XI ZR 185/16 und XI ZR 272/16) zu Gunsten der Bausparkassen entschieden und Kündigungen gebilligt, die (unter Berufung auf § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB) 10 Jahre nach Zuteilungsreife erfolgt sind. In solchen Fällen werden die Bausparer entsprechende Kündigungen (mit 6-Monats-Frist) daher regelmäßig hinnehmen müssen.

Aber: Bei genauerer Lektüre der Urteilsgründe zeigt sich, dass es auch hier auf die genaue Fallkonstellation ankommt und sich beim näheren Hinsehen herausstellen kann, dass ein Kündigungsrecht dennoch nicht vorliegt. Insbesondere gilt dies für Verträge mit Bonus-Zinsen.

Keinesfalls betroffen sind vom Urteil des Bundesgerichtshofs solche Bausparverträge, die vor Ablauf von 10 Jahren nach Zuteilungsreife von der Bausparkasse gekündigt werden – insbesondere unter Berufung auf §§ 313, 314 BGB (Unzumutbarkeit der Vertragsfortsetzung bzw. Störung der Geschäftsgrundlage). Solche Kündigungen halten wir weiterhin für unwirksam, da die gesetzlichen Voraussetzungen nicht vorliegen dürften.

Betroffene Bausparer sollten entsprechende Kündigungen fachkundig anhand Ihres Vertrags und der Vertragsbedingungen prüfen lassen und der Kündigung ggf. entgegentreten, um weiterhin von der aktuell günstigen Verzinsung ihrer Bausparguthaben zu profitieren. Bleiben die Kündigungen unwidersprochen, wird sich eine Verzinsung des ausgezahlten Bausparguthabens später kaum mehr durchsetzen lassen.

Wir haben entsprechende Kündigungen bereits in vielen Fällen erfolgreich angegriffen und für unsere Mandanten weitere Zinszahlungen erreichen können.

Aktuelle Entscheidungen zu diesem Thema:

OLG Stuttgart, Beschl. v. 14.10.2011 – 9 U 151/11
OLG Frankfurt a.M., Beschl. v. 02.09.2013 und vom 02.10.2013 – 19 U 106/13
LG Mainz, Urt. v. 28.07.2014 – 5 O 1/14
OLG Hamm, Urt. v. 30.12.2015 – 31 U 191/15
OLG Stuttgart, Urt. v. 30.03.2016 – 9 U 171/15
OLG Stuttgart, Urt. v. 04.05.2016 - 9 U 230/15
OLG Bamberg, Urt. v. 10.08.2016 - 8 U 24/16
OLG Karlsruhe, Urt. v. 05.12.2016 - Az. 17 U 185/15
BGH, Urt. v. 21.02.2017 – XI ZR 185/16 und XI ZR 272/16

Rechtsanwalt Henning Brühl

dmp@derra-dd.de

Stand: 03/2017

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