10 Mär
2017

BGH entscheidet zur Möglichkeit, das Wechselmodell durch Umgangsregelungen familiengerichtlich anordnen zu lassen

Lange war es umstritten und die Gerichte taten sich schwer, gegen den Willen eines Elternteils das sogenannte Wechselmodell, im Rahmen dessen Eltern ihre Kinder im gleichen Umfang betreuen (paritätisches Wechselmodell), gerichtlich anzuordnen. Nach der bisherigen Ansicht der Gerichte bot weder die Gesetzeslage im Umgangsrecht noch die Gesetzeslage zur elterlichen Sorge eine eindeutige Möglichkeit, dass zwischenzeitlich immer häufiger praktizierte paritätische Wechselmodell gerichtlich anzuordnen, wenn einer der Elternteile dies nicht mittrug.

Nun hat der BGH in seiner Entscheidung vom 01.02.2017, Az. XII ZB 601/15, klargestellt, dass das Gesetz keine Beschränkung des Umgangsrechts dahingehend enthalte, dass vom Gericht angeordnete Umgangskontakte nicht letztlich zu hälftigen Betreuungsanteilen der Eltern führen dürfen. Vielmehr sei es vom Gesetzeswortlaut gedeckt, dass auch eine Betreuung des Kindes durch hälftige Aufteilung der Umgangszeiten gelebt wird. Das gelte ungeachtet dessen, dass das Gesetz selbst vom sogenannten Residenzmodell ausgeht, also ein Elternteil das Kind im Wesentlichen betreut und der andere Elternteil in aller Regel Wochenendumgang wahrnimmt. Eine zum paritätischen Wechselmodell führende Umgangsregelung stehe vielmehr mit dem gemeinsamen Sorgerecht in Einklang, zumal beide Eltern gleichberechtigte Inhaber der elterlichen Sorge sind. Die Anordnung der Betreuung des Kindes im paritätischen Wechselmodell ist jedoch immer noch an die Voraussetzungen geknüpft, dass diese Form der Betreuung dem Kindeswohl am besten entspricht.

Rechtsanwältin Kerstin Rendant-Kühne

dmp@derra-dd.de

Stand: 03/2017

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