01 Aug
2014

Gesellschaftskapital der italienischen AG auf 50.000,00 Euro reduziert - Verminderung der Aufsicht bei der GmbH

Mit dem Gesetzesdekret Nr. 91/2014 vom 24.06.2014 (sog. Wachstumsdekret Renzi) hat der italienische Gesetzgeber einige bedeutende Änderungen für italienische Kapitalgesellschaften eingeführt. Ziel dieser Gesetzesmaßnahme ist es, die gerade in Italien weit verbreiteten Klein- und Mittelstandunternehmen durch erleichterte Gründungsvoraussetzungen zu entlasten.

Das für eine Gründung erforderliche Mindestkapital der italienischen Aktiengesellschaft (SPA) wurde durch das Gesetzesdekret von 120.000,00 Euro auf 50.000,00 Euro herabgesetzt. Der Gesetzgeber hat durch diese erhebliche Reduzierung dem Umstand Rechnung getragen, dass die Mindestkapitalanforderungen für die italienische SPA im Vergleich zu Deutschland und anderen europäischen Ländern vergleichsweise hoch waren und auch nach europäischen Vorschriften nur eine Mindestkapitalausstattung von 25.000,00 Euro verlangt wird. Zugleich soll verhindert werden, dass die Mindestkapitalanforderungen ein zu gewichtiges Entscheidungskriterium bei der Wahl der Gesellschaftsform darstellen, was in der Vergangenheit häufig zu einer Bevorzugung der GmbH gegenüber der AG geführt hat.

In gleichem Zuge wird durch das Gesetzesdekret die Kontrolle innerhalb der italienischen GmbH (srl) begrenzt. Bislang bestand eine gesetzliche Verpflichtung zur Bestellung eines Kontrollorgans für solche Gesellschaften mit beschränkter Haftung, deren Gesellschaftskapital dem der Aktiengesellschaft entsprach oder dieses überstieg. Diese Vorschrift wurde nunmehr abgeschafft, so dass ein Kontrollorgan nur noch erforderlich ist, wenn die Gesellschaft einen konsolidierten Jahresabschluss erstellen muss, das herrschende Unternehmen der Gesellschaft der gesetzlichen Rechnungsprüfung unterworfen ist oder wenn die Gesellschaft in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren die Grenzwerte für die Anwendung des verkürzten Jahresabschlusses überschritten. Damit entfällt die Einrichtung eines Kontrollorgans in Abhängigkeit von dem Gesellschaftskapital für die SRL vollständig.

Für bereits existierende Gesellschaften, die nach der Gesetzesnovelle ein Kontrollorgan nicht mehr benötigen, stellt sich in Ermangelung von Übergangsvorschriften nunmehr die Frage, wie mit bereits bestehenden Kontrollorganen zu verfahren ist. Gegenüber einer sofortigen Abberufung erscheint ein Bestand des Organs bis zum Ablauf seiner Bestellung vorzugswürdig.