19 Aug
2019

Gesellschaftsgründung per Mausklick – Erleichterung für Unternehmer

Die Digitalisierung unserer Unternehmenswelt schreitet stetig voran und „verschont“ auch klassische juristische Tätigkeitsbereiche nicht. Denn die Gründung von Gesellschaften oder Niederlassungen soll bald europaweit per Computer vorgenommen werden können. Das sind die Auswirkungen der EU-Richtlinie 2019/1151, die am 11. Juli 2019 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht wurde. Ziel ist es, vor allem Kleinstunternehmen und KMUs die Errichtung von Gesellschaften und Niederlassungen im In- und europäischen Ausland zu erleichtern. Dabei steht es jedem Mitgliedsstaat offen, ob in Zukunft Gründungen nur per Online-Verfahren erfolgen sollen oder ob der Unternehmer auch den traditionellen Weg über den Notar wählen kann. Die informationstechnischen und organisatorischen Herausforderungen sind dabei sportlich.

Anforderungen an das Online-Verfahren zur Gesellschaftsgründung

Unter anderem wird es erforderlich sein, eine grenzüberschreitende sichere elektronische Identifizierung zu gewährleisten, genaue Vorschriften für die online-Gründung zu entwerfen, rechtliche Hintergrundinformation zu Gründung und Gesellschaftsstruktur und Gründungsmuster in verschiedenen Sprachen zu erstellen sowie Maßnahmen für die rechtssichere Einreichung von Urkunde und sonstige Informationen zu entwickeln. Weitere Regelungspunkte sind die Erstellung transparenter Gebührenvorschriften sowie eine sichere Abwicklung der online-Zahlung.

Um die Komplexität einer Gründung zu reduzieren, steht es den Mitgliedsstaaten frei, nur einige Gesellschaftsformen online gründen zu lassen. Dabei dürfte sicher die GmbH im Vordergrund stehen. Besonderes Augenmerk wird auf die Identifizierung des Gründers zu legen sein, denn dieser kann sowohl eine natürliche als auch eine juristische Person sein. Ist das digitale Verfahren erst einmal operativ, dürfte dies zu einer weiteren Beschleunigung der Unternehmensgründung führen.

Fazit zur digitalen Gesellschaftsgründung

Bei aller Digitalisierung und Standardisierung wird der weitschauende Unternehmer aber weiterhin gut daran tun, sich im Vorfeld der Gründung im Ausland zu rechtlichen und steuerlichen Fragen sowie bei der konkreten Ausgestaltung der Satzung der Gesellschaft und ihrer Organe von den Rechtsanwälten seines Vertrauens vor Ort beraten zu lassen, um später unliebsame – und potentiell teure - Überraschungen zu vermeiden.

Je nach vorhandenem Grad der Digitalisierung wird die Umsetzung dieser Richtlinie die Mitgliedsstaaten vor unterschiedliche Schwierigkeiten stellen. Italien, das seit vielen Jahren erfolgreich in die Digitalisierung insbesondere im Umgang mit Ämtern und Behörden investiert hat, ist auf diese neue Herausforderung sicherlich gut vorbereitet. Die Umsetzung soll schon bis zum 1. August 2021 erfolgt sein. Die Zukunft bleibt also spannend!

Rechtsanwältin Dr. Stefanie Lebek

dmp.milano@derra.it

Stand: 08/2019