24 Sep
2019

Incoterms 2020 - die wichtigsten Änderungen

Das Zusammenwachsen unserer Weltmärkte und der dadurch ansteigende internationale Warenverkehr sind die wesentlichen Gründe dafür, dass die Incoterms in den letzten Jahren erheblich an praktischer Bedeutung gewonnen haben. Denn sie erleichtern den Warenverkehr, in dem sie den Vertragsparteien die Möglichkeit geben, durch die Vereinbarung einer einzigen Klausel alle wichtigen Fragen der Warenlieferung, wie Ort der Lieferung, Zeitpunkt des Gefahrübergangs, Übernahme der Transport- und Versicherungskosten, Haftung für Verlust und Beschädigung der Ware etc., umfassend und transparent zu regeln. Die Akzeptanz ist hoch – in 90 % aller Lieferverträge mit internationalem Bezug finden sich Incoterms-Klauseln; sie existieren in mehr als 30 verschiedenen Sprachen. Es verwundert daher nicht, dass die Veröffentlichung der neuen Incoterms 2020 am 10. September 2019 mit großer Spannung erwartet wurde.

Mehr Transparenz und Übersichtlichkeit in den Incoterms 2020

Das neue Regelwerk, das erst am 01.01.2020 in Kraft treten wird, enthält gegenüber der Vorversion, den Incoterms 2010, weniger Neuerungen, als erwartet. Jedenfalls haben sich Spekulation über den Wegfall der häufig verwendeten Klausel EXW (Lieferung ab Werk) nicht bewahrheitet. So lag das vorrangige Ziel des Herausgebers, der International Chamber of Commerce (ICC), auch eher darin, die Vorschriften transparenter und übersichtlicher zu gestalten, um den Unternehmern dadurch eine effizientere Nutzung und ein besseres Verständnis der Klauseln zu ermöglichen. Um die passende Auswahl der Klausel zu gewährleisten, beinhalten die Incoterms 2020 daher neue Anwendungshinweise zu jeder einzelnen Klausel .

Die Neuerungen der Incoterms 2020 im Einzelnen

Es bleibt also bei insgesamt 11 Incoterms-Klauseln, d.h. 7 Klauseln, die sich für den Transport mit verschiedenen Verkehrsmitteln eignen, und 4 Klauseln speziell für den Schiffstransport. Auch die Einteilung in 4 Gruppen nach Art der Abwicklung (Abholklausel, Absendeklauseln ohne Kostenübernahme, Absendeklauseln mit Kostenübernahme und Ankunftsklauseln) gilt unverändert.

Ersetzt wurde lediglich die Incoterms- Klausel DAT (Delivered at Terminal) durch die Klausel DPU (Delivered at Place Unloaded), womit klargestellt ist, dass künftig jeder beliebige Ort als Bestimmungsort vereinbart sein kann und nicht unbedingt an einen "Terminal" geliefert werden muss. Innerhalb der 11 Klauseln wurde die Reihenfolge der jeweils korrespondierenden Pflichten des Verkäufers (A1-10) und des Käufers  (B1-10) geändert, um dadurch eine bessere Übersichtlichkeit und Vergleichbarkeit der einzelnen Klauseln zu gewährleisten. 

Daneben gab es zahlreiche Detailänderungen. Berücksichtigt wurde in den Regelungen zu den einzelnen Klauseln z.B. die Tatsache, dass die Unternehmer immer häufiger dazu tendieren, ihre Transporte mit eigenen Verkehrsmitteln zu organisieren. Auch dem aufgrund steigender Sicherheitsanforderungen erhöhten Bedürfnis nach klaren Regeln im Bereich der Sicherheitspflichten und einer damit verbundenen Kostenübernahme wurde Rechnung getragen.

Incoterms 2020 - Fazit

Jedes international tätige Unternehmen tut daher gut daran, sich mit den neuen Regelungen auseinanderzusetzten, um bei künftigen Vertragsverhandlungen vorbereitet zu sein und die richtige Entscheidung zu treffen . Dabei ist darauf zu achten, dass auch nach dem 01.01.2020 die vorherige Version, die Incoterms 2010, weiter verwendet werden können; eine sorgfältige Bezeichnung der jeweils geltenden bzw. vereinbarten Fassung ist daher von besonderer Bedeutung.

 

Rechtsanwältin Ruth Witten-Violetti

derra@derra-d.de

Stand 09/2019