09 Sep
2020

Getrenntlebende Eltern während der Corona-Pandemie: Sind Flugreisen mit Kind erlaubt?

Haben sich Eltern von Kindern voneinander getrennt, gibt es zum Thema Ferien- und Urlaubsumgang immer wieder Abstimmungsbedarf. Nicht nur, dass man sich rechtzeitig darüber verständigen muss, wann der einzelne Elternteil mit dem Kind Ferienumgang hat, was oft genug zum Streit – auch vor Gericht – führt. Auch die Entscheidung, wo man den Urlaub mit dem Kind in der Trennungssituation verbringt, birgt Konfliktpotenzial, gerade bei Reisen ins Ausland.
 
Unter Corona-Pandemie-Bedingungen ist dieses Thema besonders konfliktbehaftet, da eine Reise ins Ausland, auch in sonst unproblematische Ferienziele wie Spanien oder Frankreich, erhebliche Schwierigkeiten nach dem Urlaub aufwerfen kann. 
 
OLG Braunschweig: Flugreise ist keine Angelegenheit des täglichen Lebens
 
Ist im Normalfall und bei Bestehen der gemeinsamen elterlichen Sorge davon auszugehen, dass jeder Elternteil dem anderen gegenüber lediglich eine umfassende Informationspflicht hat und der andere Elternteil sich nicht ernsthaft gegen eine Reise nach Spanien wenden kann, hat das OLG Braunschweig in seiner Entscheidung vom 30.07.2020 (Az. 2 UF 8/20) entschieden, dass die Flugreise eines getrenntlebenden Elternteils – hier nach Mallorca – keine Angelegenheit des täglichen Lebens mehr ist und in der Zeit der Corona-Pandemie der Zustimmung des mitsorgeberechtigten Elternteils bedarf.
 
Grund: Auch, wenn für das Urlaubsziel (noch) keine Reisewarnung besteht, führt die Ausbreitung von COVID-19 weiterhin und aktuell wieder zunehmend zu Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr. Lockerungen der Beschränkungen sind oft nur auf Probe, zeitlich begrenzt und nicht immer verlässlich, so dass es keine Planungssicherheit bezüglich eines gebuchten Rückfluges gibt. Staatliche Reaktionen auf verstärkte Ausbrüche des Virus könnten dann dazu führen, dass das Kind mit dem Elternteil in längere Quarantäne muss oder gar im Ausland festsitzt, was für das betroffene Kind aus der Sicht des Gerichts zu einer erheblichen Belastung des seelischen Wohlbefindens führen kann. Zudem sei nach wie vor unklar, ob ggf. eine erhöhte Ansteckungsgefahr im Flugzeug besteht, der das Kind bei einer Flugreise bewusst aussetzen wäre.
 
Fazit: Keine alleinige Entscheidungsbefugnis des reisewilligen Elternteils
 
Diese Fragen kann aus der Sicht des Gerichts bei gemeinsamer elterlicher Sorge der reisewillige Elternteil nicht allein entscheiden. Vielmehr müssen sich die Eltern über eine solche Flugreise ins Ausland einig sein. Können sich die Eltern nicht einigen, entscheidet das Gericht auf Antrag und überträgt einem Elternteil die Entscheidungsbefugnis hierfür.
 
Unser Rat: Besprechen Sie einen solchen Reiseplan rechtzeitig vorher mit dem anderen Elternteil. Wir beraten Sie dazu gern.
 
 
Autorin:
 
Kerstin Rendant-Kühne
Rechtsanwältin
dmp@derra-dd.de

 

Stand: 09/2020