Arbeitsrecht

Es gibt nur wenige Rechtsgebiete, die so umfassend und zugleich unübersichtlich im deutschen Rechtssystem geregelt sind, wie das Arbeitsrecht. Während sich der Gesetzgeber mit Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1900 noch auf 20 Paragrafen zum Dienstverhältnis beschränkte, ist das Arbeitsrecht heute in mehreren hundert Gesetzen, Nebengesetzen und Verordnungen kodifiziert. Bei der regelmäßig im Fokus stehenden Rechtsbeziehung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern sind daher einerseits die vielzähligen gesetzlichen Regelungen, Tarifverträge und andere Bestimmungen des deutschen Arbeitsrechts zu kennen und zu berücksichtigen, anderseits aber auch die zwischen den Parteien getroffenen Sondervereinbarungen und Nebenabreden zu beachten und auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Neben den wichtigen Gesetzen zum Kündigungsschutz, dem Mindestlohn, der grundgesetzlich garantierten Koalitionsfreiheit, dem Tarifvertrag oder zum Urlaubsanspruch, spielen auch die europäische Gesetzgebung und die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes im Rahmen des Arbeitsrechts immer häufiger eine Rolle.

Beratungsleistungen unserer Rechtsanwälte im Arbeitsrecht

Als wirtschaftsrechtlich ausgerichtete Anwaltskanzlei stellt die Betreuung von Mandaten im Bereich des Arbeitsrechts einen Schwerpunkt unserer Tätigkeit dar. Dabei vertreten wir sowohl die Interessen auf Seiten von Arbeitgebern, als auch von Arbeitnehmern. Durch eine möglichst früh einsetzende Beratung unterstützen wir Sie dabei, Konflikte von vornherein zu vermieden und Alternativlösungen zu entwickelt. Unsere Rechtsanwälte analysieren mit Ihnen sorgfältig die rechtliche Situation und prüfen unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und persönlichen Chancen und Risiken die für Sie richtige Strategie. Wenn es doch zum Streit beim Thema des Arbeitsrechts kommt, begleiten wir Sie im gerichtlichen Verfahren. Dabei profitieren Sie von unseren Erfahrungen aus hunderten Prozessen in örtlichen Arbeitsgerichten, Landesarbeitsgerichten und beim Bundesarbeitsgericht.

Die Rechtsanwälte von Derra, Meyer & Partner sind Ihre Ansprechpartner für alle denkbaren Belange im Bereich des Arbeitsrechts, wie zum Beispiel:

  • Erstellung und Prüfung von Arbeitsverträgen und Berufsausbildungsverträgen
  • Kündigung und Kündigungsschutzverfahren, Abfindung
  • Aufhebungsvertrag und Abwicklungsvertrag
  • Urlaub und Urlaubsabgeltung
  • Mindestlohn, Lohn- und Gehaltszahlung
  • Ausübung des Direktionsrechts, Versetzung, Abmahnung
  • Prüfung und Erstellung vom Arbeitszeugnis
  • Mutterschutz und Elternzeit, Teilzeitarbeit
  • Fortbildungskosten
  • Betriebliche Altersversorgung
  • Interessenausgleich und Sozialplan
  • Tarifvertragsrechts, Personalvertretungs- und Betriebsverfassungsrecht
  • Aspekte des Arbeitskampf- und Mitbestimmungsrechts oder zu Fragen des Verfahrensrechts

Erfahrene und qualifizierte Rechtsanwälte für Arbeitsrecht und andere Fachgebiete bei Derra, Meyer & Partner

An unseren Standorten arbeiten sowohl im Arbeitsrecht spezialisierte Rechtsanwälte, als auch Experten aus anderen Rechtsgebieten, mit denen es Schnittstellen gibt. So ist sichergestellt, dass sich ausschließlich erfahrene Rechtsanwälte Ihrem Fall stellen und Sie in allen relevanten Aspekten des Arbeitsrechts fachgerecht beraten können. Als grenzüberschreitend beratende Anwaltskanzlei mit eigenen Niederlassungen in Italien und Polen sowie Kooperationspartnern in allen europäischen Ländern über unsere Mitgliedschaft im europäischen Anwaltsnetzwerk DIRO können wir Ihnen auch in Fragen des internationalen Arbeitsrechts umfassende Beratungsleistungen anbieten. Setzen Sie auf die langjährige praktische Erfahrung, die Sachkenntnis unserer speziell fortgebildeten Fachanwälte und die Kompetenz einer deutschland- und europaweit agierenden Kanzlei – Derra, Meyer und Partner ist Ihr Ansprechpartner zu allen Belangen im Arbeitsrecht.

Ansprechpartner

Aktuelles

08 Aug
2019

Entsendung nach Italien – Neues zum Bußgeld

Die Entsendung von Arbeitnehmern nach Italien muss sorgfältig vorbereitet und durchgeführt werden – ansonsten drohen deutliche Bußgelder.

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Die Entsendung von Arbeitnehmern nach Italien muss sorgfältig vorbereitet und durchgeführt werden – ansonsten drohen deutliche Bußgelder.

Das gilt zum Einen, wenn das entsendende Unternehmen förmliche Voraussetzungen missachtet und die Arbeitnehmer nicht rechtzeitig beim Arbeitsministerium anmeldet, die notwendigen Unterlagen nicht bzw. nicht mit italienischer Übersetzung vorhält und die gesetzlich vorgesehenen Ansprechpartner in Italien nicht benennt.

Bußgeldpflicht im Falle einer unechten Entsendung

Problematisch wird es aber insbesondere auch dann, wenn die Beschäftigung des Arbeitnehmers bei italienischen Unternehmen gar nicht die Merkmale einer echten Entsendung erfüllt. Wer in diesem Fall Bußgelder zahlen muss, hat die italienische Arbeitsbehörde INL im Juni diesen Jahres klar gestellt.

Verstößt das entsendende deutsche Unternehmen gegen die „formellen“ Pflichten, wie z.B. die rechtzeitige Anmeldung, dann haftet nur dieses.

Liegt gar kein Fall einer echten Entsendung vor, werden sowohl das entsendende deutsche als auch das aufnehmende italienische Unternehmen kumulativ mit einem Bußgeld belegt.

Entsendung an Betriebsstätte

Wie aber, wenn das deutsche Unternehmen die Arbeitnehmer bei seiner unselbständigen Niederlassung bzw. Betriebsstätte in Italien einsetzt und es sich um eine unechte Entsendung handelt? Ist dann auch mit zwei Bußgeldern – beide im Endeffekt gegen dasselbe Unternehmen – zu rechnen?  

Das wird von der Italienische Arbeitbehörde INL verneint. Für die Frage, ob zwei Bußgelder verhängt werden, komme es darauf an, ob es sich um zwei selbständige Rechtssubjekte handele. Dies sei der Fall, wenn die unternehmerische Einheit in Italien in das Handelsregister eingetragen ist und einen eigenen gesetzlichen Vertreter hat. Ein sog. „preposto“, also ein ernannte Bevollmächtigter, wird nicht als ausreichend angesehen.

Fazit:

Nimmt daher das deutsche Unternehmen eine unechte Entsendung an eine unselbständige Niederlassung bzw. Betriebsstätte in Italien vor, wird nur ein einziges Bußgeld fällig – nämlich gegen das deutsche Unternehmen, nicht aber gegen die unselbständige Niederlassung.

Rechtsanwältin Dr. Stefanie Lebek

dmp.milano@derra.it

Stand: 08/2019

Die Entsendung von Arbeitnehmern nach Italien muss sorgfältig vorbereitet und durchgeführt werden – ansonsten drohen deutliche Bußgelder.

Das gilt zum Einen, wenn das entsendende Unternehmen förmliche Voraussetzungen missachtet und die Arbeitnehmer nicht rechtzeitig beim Arbeitsministerium anmeldet, die notwendigen Unterlagen nicht bzw. nicht mit italienischer Übersetzung vorhält und die gesetzlich vorgesehenen Ansprechpartner in Italien nicht benennt.

Bußgeldpflicht im Falle einer unechten Entsendung

Problematisch wird es aber insbesondere auch dann, wenn die Beschäftigung des Arbeitnehmers bei italienischen Unternehmen gar nicht die Merkmale einer echten Entsendung erfüllt. Wer in diesem Fall Bußgelder zahlen muss, hat die italienische Arbeitsbehörde INL im Juni diesen Jahres klar gestellt.

Verstößt das entsendende deutsche Unternehmen gegen die „formellen“ Pflichten, wie z.B. die rechtzeitige Anmeldung, dann haftet nur dieses.

Liegt gar kein Fall einer echten Entsendung vor, werden sowohl das entsendende deutsche als auch das aufnehmende italienische Unternehmen kumulativ mit einem Bußgeld belegt.

Entsendung an Betriebsstätte

Wie aber, wenn das deutsche Unternehmen die Arbeitnehmer bei seiner unselbständigen Niederlassung bzw. Betriebsstätte in Italien einsetzt und es sich um eine unechte Entsendung handelt? Ist dann auch mit zwei Bußgeldern – beide im Endeffekt gegen dasselbe Unternehmen – zu rechnen?  

Das wird von der Italienische Arbeitbehörde INL verneint. Für die Frage, ob zwei Bußgelder verhängt werden, komme es darauf an, ob es sich um zwei selbständige Rechtssubjekte handele. Dies sei der Fall, wenn die unternehmerische Einheit in Italien in das Handelsregister eingetragen ist und einen eigenen gesetzlichen Vertreter hat. Ein sog. „preposto“, also ein ernannte Bevollmächtigter, wird nicht als ausreichend angesehen.

Fazit:

Nimmt daher das deutsche Unternehmen eine unechte Entsendung an eine unselbständige Niederlassung bzw. Betriebsstätte in Italien vor, wird nur ein einziges Bußgeld fällig – nämlich gegen das deutsche Unternehmen, nicht aber gegen die unselbständige Niederlassung.

Rechtsanwältin Dr. Stefanie Lebek

dmp.milano@derra.it

Stand: 08/2019

05 Jun
2019

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – Neues zur Arbeitszeit vom EuGH

Vertrauensarbeitszeit dürfte bald der Vergangenheit angehören. Der EuGH hat entschieden, dass die EU-Mitgliedsstaaten die Arbeitgeber dazu verpflichten müssen, ein objektives, verlässliches und zugängliches System einzurichten..

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Vertrauensarbeitszeit dürfte bald der Vergangenheit angehören. Der EuGH hat vor kurzem entschieden, dass die EU-Mitgliedsstaaten die Arbeitgeber dazu verpflichten müssen, ein objektives, verlässliches und zugängliches System einzurichten, mit dem die von jedem Arbeitnehmer geleistete tägliche Arbeitszeit gemessen werden kann.

 

Dies ergebe sich aus der Arbeitszeitrichtlinie und der Charta der Grundrechte der Europäischen Union. Es müsse möglich sein, festzustellen, ob die wöchentliche Höchstarbeitszeit einschließlich der Überstunden sowie die täglichen und wöchentlichen Ruhezeiten eingehalten worden sind. Daher müsse die tatsächlich geleistete tägliche und wöchentliche Arbeitszeit objektiv und verlässlich bestimmt werden – das bedeutet de facto die Erfassung jeder Arbeitsstunde jedes Arbeitnehmers und nicht nur Anfang und Ende der Arbeitszeit.

 

Wie diese Vorgaben nun vom Gesetzgeber umgesetzt werden, darf mit Spannung erwartet werden, insbesondere angesichts der modernen flexiblen Arbeitswelt und der DS-GVO.

Denn wenn überprüft werden soll, ob der Arbeitnehmer tatsächlich arbeiten oder nicht – insbesondere am Computer – führt dies letztlich zu einer permanenten Kontrolle des Arbeitnehmerverhaltens. Neben der bereits verbreiteten elektronischen Stechuhr könnten der Fingerabdruck, der Iris-Scan und Tastaturüberwachungssysteme wie Keyloggersysteme bald zum Arbeitsalltag dazugehören. Aber möglicherweise könnte auch der Arbeitnehmer selbst in die Arbeitserfassung eingebunden werden.

 

Ein starres System wird es jedenfalls kaum geben. Denn Modalitäten und Form kann jeder Mitgliedsstaat selbst festlegen und dabei auch Tätigkeitsbereich sowie Eigenheiten und Größe des Unternehmens berücksichtigen. Spannend dürfte sein, ob diese Regelungen auch für leitende Angestellte – oder in Italien die „dirigenti“ – geltend werden.

 

Bis der nationale Gesetzgeber tätig geworden ist, können Arbeitgeber jedenfalls noch einmal durchatmen - sofern nicht Gerichte oder Behörden bereits jetzt die Pflichten des Arbeitgebers im Sinne des EuGH-Urteils erweiternd auslegen.  In Deutschland wurde dem Urteil große Beachtung geschenkt, in anderen Mitgliedsländern, wie zum Beispiel Italien, blieb es weitgehend eine Randnotiz.

 

EuGH, Urteil vom 14. Mai 2019 (C-55/19)

 

 

Rechtsanwältin Dr. Stefanie Lebek

 

dmp.milano@derra.it

 

Stand Juni 2019

 

Vertrauensarbeitszeit dürfte bald der Vergangenheit angehören. Der EuGH hat vor kurzem entschieden, dass die EU-Mitgliedsstaaten die Arbeitgeber dazu verpflichten müssen, ein objektives, verlässliches und zugängliches System einzurichten, mit dem die von jedem Arbeitnehmer geleistete tägliche Arbeitszeit gemessen werden kann.

 

Dies ergebe sich aus der Arbeitszeitrichtlinie und der Charta der Grundrechte der Europäischen Union. Es müsse möglich sein, festzustellen, ob die wöchentliche Höchstarbeitszeit einschließlich der Überstunden sowie die täglichen und wöchentlichen Ruhezeiten eingehalten worden sind. Daher müsse die tatsächlich geleistete tägliche und wöchentliche Arbeitszeit objektiv und verlässlich bestimmt werden – das bedeutet de facto die Erfassung jeder Arbeitsstunde jedes Arbeitnehmers und nicht nur Anfang und Ende der Arbeitszeit.

 

Wie diese Vorgaben nun vom Gesetzgeber umgesetzt werden, darf mit Spannung erwartet werden, insbesondere angesichts der modernen flexiblen Arbeitswelt und der DS-GVO.

Denn wenn überprüft werden soll, ob der Arbeitnehmer tatsächlich arbeiten oder nicht – insbesondere am Computer – führt dies letztlich zu einer permanenten Kontrolle des Arbeitnehmerverhaltens. Neben der bereits verbreiteten elektronischen Stechuhr könnten der Fingerabdruck, der Iris-Scan und Tastaturüberwachungssysteme wie Keyloggersysteme bald zum Arbeitsalltag dazugehören. Aber möglicherweise könnte auch der Arbeitnehmer selbst in die Arbeitserfassung eingebunden werden.

 

Ein starres System wird es jedenfalls kaum geben. Denn Modalitäten und Form kann jeder Mitgliedsstaat selbst festlegen und dabei auch Tätigkeitsbereich sowie Eigenheiten und Größe des Unternehmens berücksichtigen. Spannend dürfte sein, ob diese Regelungen auch für leitende Angestellte – oder in Italien die „dirigenti“ – geltend werden.

 

Bis der nationale Gesetzgeber tätig geworden ist, können Arbeitgeber jedenfalls noch einmal durchatmen - sofern nicht Gerichte oder Behörden bereits jetzt die Pflichten des Arbeitgebers im Sinne des EuGH-Urteils erweiternd auslegen.  In Deutschland wurde dem Urteil große Beachtung geschenkt, in anderen Mitgliedsländern, wie zum Beispiel Italien, blieb es weitgehend eine Randnotiz.

 

EuGH, Urteil vom 14. Mai 2019 (C-55/19)

 

 

Rechtsanwältin Dr. Stefanie Lebek

 

dmp.milano@derra.it

 

Stand Juni 2019

 

20 Mai
2019

Neue Entwicklungen zur Strafbarkeit von Arbeitgebern bei Scheinselbstständigkeit

Unternehmer, die bisher mit dem Vorwurf der Beschäftigung „Scheinselbstständiger“ konfrontiert waren ...

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Unternehmer, die bisher mit dem Vorwurf der Beschäftigung „Scheinselbstständiger“ konfrontiert waren, konnten sich nicht erfolgreich darauf berufen, keine Kenntnis von ihrer eigenen Arbeitgeberstellung und damit auch der Arbeitnehmerstellung ihrer „Scheinselbständigen“ gehabt zu haben. Im Hinblick auf eine Strafbarkeit nach § 266 a StGB wegen des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt wurde ihnen von der Rechtsprechung allenfalls in Ausnahmefällen ein sogenannter „Verbotsirrtum“ nach § 17 StGB zugestanden, der regelmäßig jedoch als vermeidbar angesehen wurde, so dass eine Strafbarkeit bestehen blieb. Betroffenen wurde hierbei abverlangt, sich entweder einen fachkundigen Rechtsrat einzuholen oder ein sogenanntes Statusfeststellungsverfahren durchzuführen, um zu klären, ob eine abhängige oder eine selbständige Beschäftigung besteht. Damit wäre ihr Irrtum vermeidbar gewesen.

Arbeitgebereigenschaft - Irrtum ist nicht gleich Irrtum

In einer Entscheidung des BGH von Januar 2018 (BGH, Urt. v. 24.01.2018 – 1 StR 331/17) erteilte der 1. Strafsenat in Abkehr der bisherigen höchstrichterlichen Rechtsprechung jedoch eine neue „Segelanweisung“ zur Behandlung von Fehlvorstellungen über die Arbeitgebereigenschaft nach § 266a StGB und die daraus resultierende Abführungspflicht von Sozialversicherungsbeiträgen. Die Anforderungen an den Inhalt des Vorsatzes über die „Arbeitgeberstellung“ in § 266a StGB soll nach Ankündigung des BGH künftig an die Rechtsprechung zum Irrtum über die Arbeitgeberstellung im Rahmen einer Steuerhinterziehung gemäß § 41 a EStG i.V.m. mit dem Straftatbestand aus § 370 Abs. 1 Nr. 1 und 2 AO angelehnt werden.

Bei einer Steuerhinterziehung wird nach geltender Rechtsprechung ein Irrtum über die Arbeitgebereigenschaft in § 41 a EStG als sog. Tatbestandsirrtum behandelt, der ein vorsätzliches Handeln des Betroffenen in der Regel ausschließt und damit zur Straffreiheit führt. Im Rahmen einer Strafbarkeit nach § 266 a StGB wurde hingegen ein entsprechender Irrtum stets als ein – in der Regel vermeidbarer und zur Strafbarkeit führenden – Verbotsirrtumeingestuft. Für diese Differenzierung ist nach Ansicht des BGH kein sachlicher Grund erkennbar, so dass zukünftig auch die Fehlvorstellung über die Arbeitgebereigenschaft in § 266 a StGB und die daraus folgende Abführungspflicht insgesamt als einen den Vorsatz ausschließenden Tatbestandsirrtum behandelt werden soll.

Geringeres Risiko einer Strafbarkeit

Diese Rechtsprechung wird das Risiko einer Strafbarkeit wegen der Beschäftigung „Scheinselbständiger“ bei einer Unkenntnis der eigenen Stellung als Arbeitgeber erheblich begrenzen. Bislang sind allerdings noch keine Entscheidungen auf diese angekündigte Rechtsprechungsänderung des BGH ersichtlich. In einer neueren Entscheidung des BGH (BGH, Beschluss vom 13.12.2018 – 5 StR 275/18) sah der 5. Senat noch keine Veranlassung, unter Bezugnahme auf die Rechtsprechung des 1. Strafsenats vom 04.01.2018 eine Entscheidung über eine etwaige Fehlvorstellung der Arbeitgebereigenschaft zu treffen, da nach Ansicht des BGH ein diesbezüglicher Irrtum nicht vorlag. Mehr dazu im kommenden Newsletter 2019 zum Steuer- und Wirtschaftsstrafrecht.

Rechtsanwalt Ralph E. Walker

dmp@derra-ul.de

Stand: 05/2019

Unternehmer, die bisher mit dem Vorwurf der Beschäftigung „Scheinselbstständiger“ konfrontiert waren, konnten sich nicht erfolgreich darauf berufen, keine Kenntnis von ihrer eigenen Arbeitgeberstellung und damit auch der Arbeitnehmerstellung ihrer „Scheinselbständigen“ gehabt zu haben. Im Hinblick auf eine Strafbarkeit nach § 266 a StGB wegen des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt wurde ihnen von der Rechtsprechung allenfalls in Ausnahmefällen ein sogenannter „Verbotsirrtum“ nach § 17 StGB zugestanden, der regelmäßig jedoch als vermeidbar angesehen wurde, so dass eine Strafbarkeit bestehen blieb. Betroffenen wurde hierbei abverlangt, sich entweder einen fachkundigen Rechtsrat einzuholen oder ein sogenanntes Statusfeststellungsverfahren durchzuführen, um zu klären, ob eine abhängige oder eine selbständige Beschäftigung besteht. Damit wäre ihr Irrtum vermeidbar gewesen.

Arbeitgebereigenschaft - Irrtum ist nicht gleich Irrtum

In einer Entscheidung des BGH von Januar 2018 (BGH, Urt. v. 24.01.2018 – 1 StR 331/17) erteilte der 1. Strafsenat in Abkehr der bisherigen höchstrichterlichen Rechtsprechung jedoch eine neue „Segelanweisung“ zur Behandlung von Fehlvorstellungen über die Arbeitgebereigenschaft nach § 266a StGB und die daraus resultierende Abführungspflicht von Sozialversicherungsbeiträgen. Die Anforderungen an den Inhalt des Vorsatzes über die „Arbeitgeberstellung“ in § 266a StGB soll nach Ankündigung des BGH künftig an die Rechtsprechung zum Irrtum über die Arbeitgeberstellung im Rahmen einer Steuerhinterziehung gemäß § 41 a EStG i.V.m. mit dem Straftatbestand aus § 370 Abs. 1 Nr. 1 und 2 AO angelehnt werden.

Bei einer Steuerhinterziehung wird nach geltender Rechtsprechung ein Irrtum über die Arbeitgebereigenschaft in § 41 a EStG als sog. Tatbestandsirrtum behandelt, der ein vorsätzliches Handeln des Betroffenen in der Regel ausschließt und damit zur Straffreiheit führt. Im Rahmen einer Strafbarkeit nach § 266 a StGB wurde hingegen ein entsprechender Irrtum stets als ein – in der Regel vermeidbarer und zur Strafbarkeit führenden – Verbotsirrtumeingestuft. Für diese Differenzierung ist nach Ansicht des BGH kein sachlicher Grund erkennbar, so dass zukünftig auch die Fehlvorstellung über die Arbeitgebereigenschaft in § 266 a StGB und die daraus folgende Abführungspflicht insgesamt als einen den Vorsatz ausschließenden Tatbestandsirrtum behandelt werden soll.

Geringeres Risiko einer Strafbarkeit

Diese Rechtsprechung wird das Risiko einer Strafbarkeit wegen der Beschäftigung „Scheinselbständiger“ bei einer Unkenntnis der eigenen Stellung als Arbeitgeber erheblich begrenzen. Bislang sind allerdings noch keine Entscheidungen auf diese angekündigte Rechtsprechungsänderung des BGH ersichtlich. In einer neueren Entscheidung des BGH (BGH, Beschluss vom 13.12.2018 – 5 StR 275/18) sah der 5. Senat noch keine Veranlassung, unter Bezugnahme auf die Rechtsprechung des 1. Strafsenats vom 04.01.2018 eine Entscheidung über eine etwaige Fehlvorstellung der Arbeitgebereigenschaft zu treffen, da nach Ansicht des BGH ein diesbezüglicher Irrtum nicht vorlag. Mehr dazu im kommenden Newsletter 2019 zum Steuer- und Wirtschaftsstrafrecht.

Rechtsanwalt Ralph E. Walker

dmp@derra-ul.de

Stand: 05/2019

12 Mär
2019

Urlaubsanspruch verfällt nur bei vorheriger Belehrung durch den Arbeitgeber

Das Bundesarbeitsgericht hat mit Urteil vom 19.02.2019 entschieden, dass der Anspruch eines Arbeitnehmers auf bezahlten Jahresurlaub ...

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Das Bundesarbeitsgericht hat mit Urteil vom 19.02.2019 (AZ: 9 AZR 541/15) entschieden, dass der Anspruch eines Arbeitnehmers auf bezahlten Jahresurlaub in der Regel nur dann am Ende des Kalenderjahres oder des Übertragungszeitraums (regelmäßig 31.03. des Folgejahres) erlischt, wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer zuvor über seinen konkreten Urlaubsanspruch und die Verfallfristen belehrt und der Arbeitnehmer den Urlaub dennoch aus freien Stücken nicht genommen hat. Hintergrund dieser neuen Entscheidung ist, dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) bereits im November 2018 festgestellt hatte, dass der im Bundesurlaubsgesetz (§ 7 Abs. 3 BUrlG) vorgesehene pauschale Verfall eines Urlaubsanspruchs mit der Arbeitszeit-Richtlinie der Europäischen Union nicht vereinbar sei.

Klare Vorgaben des EuGH zum Verfall des Urlaubsanspruchs

Der EuGH hat insoweit darauf hingewiesen, dass der Arbeitgeber „konkret und in völliger Transparenz dafür zu sorgen“ habe, „dass der Arbeitnehmer tatsächlich in der Lage“ ist, „seinen bezahlten Jahresurlaub zu nehmen, indem er ihn – erforderlichenfalls förmlich – auffordert, dies zu tun.“ Daher müsse der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer klar und rechtzeitig mitteilen, dass der Urlaub am Ende des Kalenderjahres oder eines Übertragungszeitraumes (in aller Regel zum 31.03. des Folgejahres) verfallen werde, wenn der Arbeitnehmer ihn nicht nehme. Das Bundesarbeitsgericht hat sich nun dieser Rechtsprechung des EuGH erwartungsgemäß angeschlossen und festgestellt, dass ein Verfall von Urlaubsansprüchen nur dann erfolgt, wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer zuvor über den bestehenden Urlaubsanspruch informiert und aufgefordert habe, den Urlaub zu nehmen.

Grundlegende Umgestaltung interner Prozesse auf Seiten des Arbeitgebers

Das Urteil bedeutet für die unternehmerische Praxis eine ganz erhebliche Umstellung. Arbeitgeber sind gehalten, ihre Prozesse hinsichtlich der Behandlung der Urlaubsansprüche der Arbeitnehmer grundlegend anzupassen. Es wird erforderlich sein, den tatsächlichen Urlaubsstand sämtlicher Arbeitnehmer und bereits vereinbarte Urlaubszeiträume frühzeitig zu prüfen, um festzustellen, in welchem Umfang ein Arbeitnehmer noch offene Urlaubsansprüche haben könnte. Anschließend muss der Arbeitgeber einen der neuen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes entsprechenden Hinweis erteilen, um sicherzustellen, dass der Urlaub verfällt.

Wird der Urlaub dann tatsächlich nicht genommen, würde Verfall eintreten; wahrscheinlich würden aber die meisten Arbeitnehmer einen Urlaubsantrag für das letzte Quartal des Kalenderjahres stellen. Könnte dieser nicht erfüllt werden, würde der Urlaubsanspruch nicht verfallen, sondern in das nächste Kalenderjahr – auch über den 31.03. hinaus – übertragen. Das bilanzielle „Ausbuchen“ von Resturlaubsansprüchen am Jahresende wird nicht mehr möglich sein. Es wird sich daher in buchhalterischer Hinsicht die Erforderlichkeit von Rückstellungen ergeben.

Offen ist bisher, ob es für die Geltendmachung der Urlaubsansprüche im Lichte der neuen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes eine absolute Höchstfrist gibt. In der Vergangenheit ist das Bundesarbeitsgericht hier von einer Frist von 15 Monaten ab dem Ende des Kalenderjahres ausgegangen. Es muss aber bezweifelt werden, ob diese Rechtsprechung im Hinblick auf die Arbeitszeitrichtlinie der Europäischen Union und die Rechtsprechung des EuGH Bestand haben kann.

Rechtsanwalt Stefan Eßer

dmp@derra-d.de

Stand: 03/2019

Das Bundesarbeitsgericht hat mit Urteil vom 19.02.2019 (AZ: 9 AZR 541/15) entschieden, dass der Anspruch eines Arbeitnehmers auf bezahlten Jahresurlaub in der Regel nur dann am Ende des Kalenderjahres oder des Übertragungszeitraums (regelmäßig 31.03. des Folgejahres) erlischt, wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer zuvor über seinen konkreten Urlaubsanspruch und die Verfallfristen belehrt und der Arbeitnehmer den Urlaub dennoch aus freien Stücken nicht genommen hat. Hintergrund dieser neuen Entscheidung ist, dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) bereits im November 2018 festgestellt hatte, dass der im Bundesurlaubsgesetz (§ 7 Abs. 3 BUrlG) vorgesehene pauschale Verfall eines Urlaubsanspruchs mit der Arbeitszeit-Richtlinie der Europäischen Union nicht vereinbar sei.

Klare Vorgaben des EuGH zum Verfall des Urlaubsanspruchs

Der EuGH hat insoweit darauf hingewiesen, dass der Arbeitgeber „konkret und in völliger Transparenz dafür zu sorgen“ habe, „dass der Arbeitnehmer tatsächlich in der Lage“ ist, „seinen bezahlten Jahresurlaub zu nehmen, indem er ihn – erforderlichenfalls förmlich – auffordert, dies zu tun.“ Daher müsse der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer klar und rechtzeitig mitteilen, dass der Urlaub am Ende des Kalenderjahres oder eines Übertragungszeitraumes (in aller Regel zum 31.03. des Folgejahres) verfallen werde, wenn der Arbeitnehmer ihn nicht nehme. Das Bundesarbeitsgericht hat sich nun dieser Rechtsprechung des EuGH erwartungsgemäß angeschlossen und festgestellt, dass ein Verfall von Urlaubsansprüchen nur dann erfolgt, wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer zuvor über den bestehenden Urlaubsanspruch informiert und aufgefordert habe, den Urlaub zu nehmen.

Grundlegende Umgestaltung interner Prozesse auf Seiten des Arbeitgebers

Das Urteil bedeutet für die unternehmerische Praxis eine ganz erhebliche Umstellung. Arbeitgeber sind gehalten, ihre Prozesse hinsichtlich der Behandlung der Urlaubsansprüche der Arbeitnehmer grundlegend anzupassen. Es wird erforderlich sein, den tatsächlichen Urlaubsstand sämtlicher Arbeitnehmer und bereits vereinbarte Urlaubszeiträume frühzeitig zu prüfen, um festzustellen, in welchem Umfang ein Arbeitnehmer noch offene Urlaubsansprüche haben könnte. Anschließend muss der Arbeitgeber einen der neuen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes entsprechenden Hinweis erteilen, um sicherzustellen, dass der Urlaub verfällt.

Wird der Urlaub dann tatsächlich nicht genommen, würde Verfall eintreten; wahrscheinlich würden aber die meisten Arbeitnehmer einen Urlaubsantrag für das letzte Quartal des Kalenderjahres stellen. Könnte dieser nicht erfüllt werden, würde der Urlaubsanspruch nicht verfallen, sondern in das nächste Kalenderjahr – auch über den 31.03. hinaus – übertragen. Das bilanzielle „Ausbuchen“ von Resturlaubsansprüchen am Jahresende wird nicht mehr möglich sein. Es wird sich daher in buchhalterischer Hinsicht die Erforderlichkeit von Rückstellungen ergeben.

Offen ist bisher, ob es für die Geltendmachung der Urlaubsansprüche im Lichte der neuen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes eine absolute Höchstfrist gibt. In der Vergangenheit ist das Bundesarbeitsgericht hier von einer Frist von 15 Monaten ab dem Ende des Kalenderjahres ausgegangen. Es muss aber bezweifelt werden, ob diese Rechtsprechung im Hinblick auf die Arbeitszeitrichtlinie der Europäischen Union und die Rechtsprechung des EuGH Bestand haben kann.

Rechtsanwalt Stefan Eßer

dmp@derra-d.de

Stand: 03/2019

15 Okt
2018

Drum prüfe, wer sich ewig bindet … Neues zum Arbeitsrecht in Italien – Befristung und Abfindung

Viele deutsche Unternehmen haben Tochterunternehmen in Italien oder stellen direkt Mitarbeiter in Italien ein.

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Viele deutsche Unternehmen haben Tochterunternehmen in Italien oder stellen direkt Mitarbeiter in Italien ein. Nicht immer will man sich gleich mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag “auf ewig” binden. Da hilft der befristete Arbeitsvertrag. Aber wie befristet man richtig? Hier gelten seit Juli 2018 neue Regeln.

Befristung – aber wie?

Unter der früheren Gesetzeslage war eine Befristung nur aus sachlichem Grund möglich. Dieses Kriterium wurde 2015 durch die Arbeitsgesetzgebung Jobs Act abgeschafft - ein Arbeitsverhältnis konnte grundsätzlich zeitlich bis maximal 36 Monate befristet werden. Innerhalb diese Zeitraums waren insgesamt 5 Verlängerungen möglich.

Seit Juli 2018 hat sich die Rechtslage nun geändert (Gesetzesdekret 87/2018).

Strengere Regeln für die Befristung

Um unbefristete Beschäftigungsverhältnisse zu fördern, hat der Gesetzgeber die reine Zeitbefristung von 36 Monate auf 12 Monate verkürzt.

Zugleich wurde die Befristung aus sachlichem Grund wieder eingeführt. Ein Arbeitsvertrag kann befristet auf 24 Monate abgeschlossen bzw. über den Zeitraum von 12 Monaten bis 24 Monate verlängert werden, wenn es entweder objektive, vorübergehende Gründe gibt, die außerhalb der normalen Geschäftstätigkeit liegen, Arbeitnehmer ersetzt werden müssen oder vorübergehende, erhebliche und nicht planbare Steigerungen der normalen Geschäftstätigkeit vorliegen. Innerhalb des Zeitraums von 24 Monaten sind insgesamt 4 Verlängerungen zulässig. Der weitgefasste Wortlaut der Norm wird sicherlich Anlass zu etlichen Rechtsstreiten geben.

Wer den Arbeitsvertrag doch noch länger als 24 Monate befristen will, der hat nach wie vor die Möglichkeit, vor der örtlichen Stelle des Arbeitsministeriums (ITL) einen weiteren befristeten Vertrag von höchstens 12 Monaten abzuschließen.

Und wichtig ist auch ein Blick in den einschlägigen Tarifvertrag – denn dort kann die Befristungsdauer abweichend – länger oder kürzer - zur gesetzlichen Regelung bestimmt sein.  

Nur befristete Arbeitnehmer im Unternehmen?

Achtung ist auch bei der Anzahl der befristeten Arbeitsverträge geboten. Diese ist beschränkt, sofern der Arbeitgeber mehr als 5 Arbeitnehmer beschäftigt. Dann dürfen nicht mehr als 20% der unbefristeten Arbeitverträge befristet sein. Das heißt: Ein Arbeitgeber, der 10 unbefristete Arbeitnehmer beschäftigt, kann 2 befristete Arbeitsverträge schließen. Stichtag für die Berechnung ist der Stand der Arbeitsverträge zum 1. Januar eines Jahres. Diese Beschränkung gilt u.a. nicht für Start-ups, Saisonarbeit und Ersetzung von abwesenden Mitarbeitern.

Kündigung und Abfindung – das Ende der Berechenbarkeit

Eine der großen Neuerungen im italienischen Arbeitsrecht war die Einführung eines gesetzlich vorgegebenen Abfindungsrahmen bei sozialwidrigen Kündigungen. In diesem Fall endet das Arbeitsverhältnis trotz Sozialwidrigkeit und der Arbeitgeber zahlt eine gesetzlich geregelte Abfindung. Bei mehr als 15 Arbeitnehmern reichte diese - abhängig von der Beschäftigungsdauer - von 4 bis 24 Monatsgehältern. Im Juli 2018 wurde die Abfindung auf 6 bis 36 Monatsgehälter hochgesetzt. Wie sich die Berechnung in Zukunft gestaltet, ist jedoch ungewiss. Denn am 26. September 2018 hat das italienische Verfassungsgericht die Festsetzung der Abfindung nur nach dem Kriterium der Beschäftigungsdauer für verfassungswidrig erklärt. Damit ist der Abfindungspoker neu eröffnet. Die Entscheidung des Verfassungsgericht wird die Bereitschaft, unbefristete Arbeitsverträge abzuschließen, sicher nicht steigern.

Rechtsanwältin Dr. Stefanie Lebek

dmp.milano@derra.it

Stand 10/2018

Viele deutsche Unternehmen haben Tochterunternehmen in Italien oder stellen direkt Mitarbeiter in Italien ein. Nicht immer will man sich gleich mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag “auf ewig” binden. Da hilft der befristete Arbeitsvertrag. Aber wie befristet man richtig? Hier gelten seit Juli 2018 neue Regeln.

Befristung – aber wie?

Unter der früheren Gesetzeslage war eine Befristung nur aus sachlichem Grund möglich. Dieses Kriterium wurde 2015 durch die Arbeitsgesetzgebung Jobs Act abgeschafft - ein Arbeitsverhältnis konnte grundsätzlich zeitlich bis maximal 36 Monate befristet werden. Innerhalb diese Zeitraums waren insgesamt 5 Verlängerungen möglich.

Seit Juli 2018 hat sich die Rechtslage nun geändert (Gesetzesdekret 87/2018).

Strengere Regeln für die Befristung

Um unbefristete Beschäftigungsverhältnisse zu fördern, hat der Gesetzgeber die reine Zeitbefristung von 36 Monate auf 12 Monate verkürzt.

Zugleich wurde die Befristung aus sachlichem Grund wieder eingeführt. Ein Arbeitsvertrag kann befristet auf 24 Monate abgeschlossen bzw. über den Zeitraum von 12 Monaten bis 24 Monate verlängert werden, wenn es entweder objektive, vorübergehende Gründe gibt, die außerhalb der normalen Geschäftstätigkeit liegen, Arbeitnehmer ersetzt werden müssen oder vorübergehende, erhebliche und nicht planbare Steigerungen der normalen Geschäftstätigkeit vorliegen. Innerhalb des Zeitraums von 24 Monaten sind insgesamt 4 Verlängerungen zulässig. Der weitgefasste Wortlaut der Norm wird sicherlich Anlass zu etlichen Rechtsstreiten geben.

Wer den Arbeitsvertrag doch noch länger als 24 Monate befristen will, der hat nach wie vor die Möglichkeit, vor der örtlichen Stelle des Arbeitsministeriums (ITL) einen weiteren befristeten Vertrag von höchstens 12 Monaten abzuschließen.

Und wichtig ist auch ein Blick in den einschlägigen Tarifvertrag – denn dort kann die Befristungsdauer abweichend – länger oder kürzer - zur gesetzlichen Regelung bestimmt sein.  

Nur befristete Arbeitnehmer im Unternehmen?

Achtung ist auch bei der Anzahl der befristeten Arbeitsverträge geboten. Diese ist beschränkt, sofern der Arbeitgeber mehr als 5 Arbeitnehmer beschäftigt. Dann dürfen nicht mehr als 20% der unbefristeten Arbeitverträge befristet sein. Das heißt: Ein Arbeitgeber, der 10 unbefristete Arbeitnehmer beschäftigt, kann 2 befristete Arbeitsverträge schließen. Stichtag für die Berechnung ist der Stand der Arbeitsverträge zum 1. Januar eines Jahres. Diese Beschränkung gilt u.a. nicht für Start-ups, Saisonarbeit und Ersetzung von abwesenden Mitarbeitern.

Kündigung und Abfindung – das Ende der Berechenbarkeit

Eine der großen Neuerungen im italienischen Arbeitsrecht war die Einführung eines gesetzlich vorgegebenen Abfindungsrahmen bei sozialwidrigen Kündigungen. In diesem Fall endet das Arbeitsverhältnis trotz Sozialwidrigkeit und der Arbeitgeber zahlt eine gesetzlich geregelte Abfindung. Bei mehr als 15 Arbeitnehmern reichte diese - abhängig von der Beschäftigungsdauer - von 4 bis 24 Monatsgehältern. Im Juli 2018 wurde die Abfindung auf 6 bis 36 Monatsgehälter hochgesetzt. Wie sich die Berechnung in Zukunft gestaltet, ist jedoch ungewiss. Denn am 26. September 2018 hat das italienische Verfassungsgericht die Festsetzung der Abfindung nur nach dem Kriterium der Beschäftigungsdauer für verfassungswidrig erklärt. Damit ist der Abfindungspoker neu eröffnet. Die Entscheidung des Verfassungsgericht wird die Bereitschaft, unbefristete Arbeitsverträge abzuschließen, sicher nicht steigern.

Rechtsanwältin Dr. Stefanie Lebek

dmp.milano@derra.it

Stand 10/2018

01 Okt
2018

Mindestlohn einschließende arbeitsvertragliche Verfallklausel ist unwirksam

Nach einem aktuellen Urteil des Bundesarbeitsgerichtes vom 18.09.2018 ist eine vom Arbeitgeber vorformulierte arbeitsvertragliche Verfallklausel ...

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Nach einem aktuellen Urteil des Bundesarbeitsgerichtes vom 18.09.2018 (9 AZR 162/18) ist eine vom Arbeitgeber vorformulierte arbeitsvertragliche Verfallklausel, die ohne jede Einschränkung alle beiderseitigen Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis und damit auch den gesetzlich garantierten Mindestlohn erfasst, unwirksam. Dies gilt nach Aussage des Bundesarbeitsgerichtes jedenfalls dann, wenn der Arbeitsvertrag nach dem 31.12.2014 geschlossen wurde.

In dem Fall, welchen das Bundesarbeitsgericht zu entscheiden hatte, hatte der Arbeitnehmer Urlaubsabgeltungsansprüche gegenüber seinem ehemaligen Arbeitgeber geltend gemacht. Im Arbeitsvertrag war eine Ausschlussklausel enthalten, wonach alle beiderseitigen Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis verfallen, wenn sie nicht innerhalb von drei Monaten nach Fälligkeit gegenüber der anderen Vertragspartei schriftlich geltend gemacht werden. Der Arbeitnehmer hatte den Anspruch nach Ablauf der Dreimonatsfrist geltend gemacht.

Das Bundesarbeitsgericht hat nun entschieden, dass diese Klausel nach Einführung des Mindestlohngesetzes gegen das Transparenzgebot verstößt und daher unwirksam ist. Nach § 3 S. 1 MiLoG ist eine Vereinbarung, die den Anspruch auf Mindestlohn oder seine Geltendmachung beschränkt oder ausschließt, insoweit unwirksam.

Aufgrund dessen ist – so das Bundesarbeitsgericht - eine Klausel, welche den Anspruch auf den gesetzlich zu bezahlenden Mindestlohn nicht ausnehme, nicht klar und verständlich und damit unwirksam.

Der Arbeitsgeber als Verwender der Klausel kann sich somit nicht auf das Verstreichenlassen der Frist berufen.

Rechtsanwalt Alexander Mainka

dmp@derra-ul.de

Stand: 10/2018

Nach einem aktuellen Urteil des Bundesarbeitsgerichtes vom 18.09.2018 (9 AZR 162/18) ist eine vom Arbeitgeber vorformulierte arbeitsvertragliche Verfallklausel, die ohne jede Einschränkung alle beiderseitigen Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis und damit auch den gesetzlich garantierten Mindestlohn erfasst, unwirksam. Dies gilt nach Aussage des Bundesarbeitsgerichtes jedenfalls dann, wenn der Arbeitsvertrag nach dem 31.12.2014 geschlossen wurde.

In dem Fall, welchen das Bundesarbeitsgericht zu entscheiden hatte, hatte der Arbeitnehmer Urlaubsabgeltungsansprüche gegenüber seinem ehemaligen Arbeitgeber geltend gemacht. Im Arbeitsvertrag war eine Ausschlussklausel enthalten, wonach alle beiderseitigen Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis verfallen, wenn sie nicht innerhalb von drei Monaten nach Fälligkeit gegenüber der anderen Vertragspartei schriftlich geltend gemacht werden. Der Arbeitnehmer hatte den Anspruch nach Ablauf der Dreimonatsfrist geltend gemacht.

Das Bundesarbeitsgericht hat nun entschieden, dass diese Klausel nach Einführung des Mindestlohngesetzes gegen das Transparenzgebot verstößt und daher unwirksam ist. Nach § 3 S. 1 MiLoG ist eine Vereinbarung, die den Anspruch auf Mindestlohn oder seine Geltendmachung beschränkt oder ausschließt, insoweit unwirksam.

Aufgrund dessen ist – so das Bundesarbeitsgericht - eine Klausel, welche den Anspruch auf den gesetzlich zu bezahlenden Mindestlohn nicht ausnehme, nicht klar und verständlich und damit unwirksam.

Der Arbeitsgeber als Verwender der Klausel kann sich somit nicht auf das Verstreichenlassen der Frist berufen.

Rechtsanwalt Alexander Mainka

dmp@derra-ul.de

Stand: 10/2018

01 Okt
2018

Kein Anspruch des Arbeitnehmers auf Zahlung der Verzugskostenpauschale bei Verzug des Arbeitgebers mit der Entgeltzahlung

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat am 25.09.2018 entschieden, dass ein Arbeitnehmer trotz Verzuges des Arbeitgebers mit der Lohnzahlung die Verzugskostenpauschale ...

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Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat am 25.09.2018 entschieden, dass ein Arbeitnehmer trotz Verzuges des Arbeitgebers mit der Lohnzahlung die Verzugskostenpauschale, die in § 288 Abs. 5 BGB geregelt ist, nicht verlangen kann.

In dem vom BAG entschiedenen Fall hatte der Arbeitnehmer auf Zahlung rückständiger Besitzstandszulagen für drei Monate geklagt und zudem wegen Verzugs mit deren Zahlung die Zahlung von drei Pauschalen à 40,00 Euro nach § 288 Abs. 5 BGB verlangt. Insoweit war bislang in der Arbeitsgerichtsbarkeit umstritten, ob § 288 Abs. 5 BGB auch im Arbeitsrecht anwendbar ist.

Die Vorinstanzen hatten der Klage stattgegeben. Die Revision der Arbeitgeberin, mit der diese sich gegen ihre Verurteilung zur Zahlung der Pauschalen nach § 288 Abs. 5 BGB wendet, war vor dem Achten Senat des Bundesarbeitsgerichts erfolgreich. Der Arbeitnehmer hat keinen Anspruch auf die geltend gemachten Pauschalen. Zwar findet § 288 Abs. 5 BGB grundsätzlich auch in Fällen Anwendung, in denen sich der Arbeitgeber mit der Zahlung von Arbeitsentgelt in Verzug befindet. Allerdings schließt § 12a Abs. 1 Satz 1 ArbGG als spezielle arbeitsrechtliche Regelung nicht nur einen prozessualen Kostenerstattungsanspruch wegen erstinstanzlich entstandener Beitreibungskosten, sondern auch einen entsprechenden materiell-rechtlichen Kostenerstattungsanspruch und damit auch den Anspruch auf Pauschalen nach § 288 Abs. 5 BGB aus (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 25. September 2018 - 8 AZR 26/18).

Damit hat das Bundesarbeitsgericht eine Frage geklärt, die seit Einführung der Verzugskostenpauschale in das BGB zum 29.07.2014 in Rechtsprechung und Literatur umstritten war. Für die Instanzgerichte wurde damit eine Rechtsklarheit in einer Frage geschaffen, die zwar relativ geringfügige Beträge betrifft, aber in nahezu allen Zahlungsprozessen als Nebenforderung zu entscheiden war.

Rechtsanwalt Hauke Schulz

dmp@derra-dd.de

Stand: 10/2018

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat am 25.09.2018 entschieden, dass ein Arbeitnehmer trotz Verzuges des Arbeitgebers mit der Lohnzahlung die Verzugskostenpauschale, die in § 288 Abs. 5 BGB geregelt ist, nicht verlangen kann.

In dem vom BAG entschiedenen Fall hatte der Arbeitnehmer auf Zahlung rückständiger Besitzstandszulagen für drei Monate geklagt und zudem wegen Verzugs mit deren Zahlung die Zahlung von drei Pauschalen à 40,00 Euro nach § 288 Abs. 5 BGB verlangt. Insoweit war bislang in der Arbeitsgerichtsbarkeit umstritten, ob § 288 Abs. 5 BGB auch im Arbeitsrecht anwendbar ist.

Die Vorinstanzen hatten der Klage stattgegeben. Die Revision der Arbeitgeberin, mit der diese sich gegen ihre Verurteilung zur Zahlung der Pauschalen nach § 288 Abs. 5 BGB wendet, war vor dem Achten Senat des Bundesarbeitsgerichts erfolgreich. Der Arbeitnehmer hat keinen Anspruch auf die geltend gemachten Pauschalen. Zwar findet § 288 Abs. 5 BGB grundsätzlich auch in Fällen Anwendung, in denen sich der Arbeitgeber mit der Zahlung von Arbeitsentgelt in Verzug befindet. Allerdings schließt § 12a Abs. 1 Satz 1 ArbGG als spezielle arbeitsrechtliche Regelung nicht nur einen prozessualen Kostenerstattungsanspruch wegen erstinstanzlich entstandener Beitreibungskosten, sondern auch einen entsprechenden materiell-rechtlichen Kostenerstattungsanspruch und damit auch den Anspruch auf Pauschalen nach § 288 Abs. 5 BGB aus (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 25. September 2018 - 8 AZR 26/18).

Damit hat das Bundesarbeitsgericht eine Frage geklärt, die seit Einführung der Verzugskostenpauschale in das BGB zum 29.07.2014 in Rechtsprechung und Literatur umstritten war. Für die Instanzgerichte wurde damit eine Rechtsklarheit in einer Frage geschaffen, die zwar relativ geringfügige Beträge betrifft, aber in nahezu allen Zahlungsprozessen als Nebenforderung zu entscheiden war.

Rechtsanwalt Hauke Schulz

dmp@derra-dd.de

Stand: 10/2018

14 Aug
2018

Mitarbeiter im Ausland – zählen sie mit oder nicht? Ein Blick auf Deutschland und Italien

Die genaue Anzahl von im Unternehmen oder Betrieb beschäftigten Arbeitnehmern ist häufig von entscheidender Bedeutung ...

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Die genaue Anzahl von im Unternehmen oder Betrieb beschäftigten Arbeitnehmern ist häufig von entscheidender Bedeutung für Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

Man denke nur an das Kündigungsschutzgesetz, das grundsätzlich in Betrieben mit mehr als 10 regelmäßig beschäftigten Arbeitnehmern Anwendung findet oder an die Einrichtung von Aufsichtsräten nach dem Mitbestimmungsgesetz, die erst dann zu bilden sind, wenn in der Regel mehr als 2000 Arbeitnehmer (sog. Schwellenwert) beschäftigt werden.

Im Zeitalter zunehmender Globalisierung stellt sich die Frage: werden auch im Ausland beschäftigte Mitarbeiter bei der Bestimmung der Anzahl der Beschäftigten eingerechnet?

Für den Bereich des Schwellenwerts im Rahmen der Mitbestimmung ist dies umstritten und noch nicht höchstrichterlich entschieden.

In einer neuen Entscheidung vom Februar 2018 hat sich nun das LG Hamburg der herrschenden Auffassung angeschlossen: Arbeitnehmer, die in ausländischen Betriebsstätten des inländischen Unternehmens beschäftigt sind, werden nicht mitgezählt. Der Grund ist das Territorialitätsprinzip: derartige Arbeitnehmer im Ausland werden nicht vom Anwendungsbereich deutscher Gesetze umfasst.

Gleiches gilt für die Anwendung des Kündigungsschutzgesetzes: nur für in Deutschland belegene Betriebe gilt das Kündigungschutzgesetz. Hat ein ausländisches Unternehmen auch Betriebe in Deutschland, kommt es für die Anzahl der regelmäßig beschäftigten Arbeitnehmer nur auf die in Deutschland beschäftigten Arbeitnehmer an, nicht aber auf die Arbeitnehmer, die im Ausland beschäftigt sind.

In Italien liegt die “magische Zahl” im Kündigungsrecht bei 15 Arbeitnehmern. Beschäftigt der Arbeitgeber mehr als 15 Arbeitnehmer, muss er besondere Verfahren bei der betriebsbedingten Kündigung beachten, die Folgen einer sozialwidrigen Kündigung ändern sich und es sind wesentlich höhere Entschädigungen zu zahlen.

Im Jahr 2016 hat das Kassationsgericht in einem seltenen Urteil zu diesem Thema ebenfalls entschieden, dass nur in Italien beschäftigte Mitarbeiter für der Berechnung der Anzahl der Arbeitnehmer relevant sind. Geklagt hatte die einzige bei einer unselbständigen Niederlassung eines holländischen Großunternehmens beschäftigte italienische Arbeitnehmerin; diese konnte sich jedoch nicht auf die für Großunternehmen geltende, arbeitnehmerfreundlicheren Kündigungsvorschriften berufen.

Viele ausländische Unternehmen besitzen in Italien nur eine Niederlassung mit wenigen Mitarbeitern oder haben italienische Arbeitnehmer sogar unmittelbar ohne Struktur in Italien angestellt. Für sie ist diese Entscheidung besonders relevant, da sie bei geringem Personalbestand auf die arbeitgeberfreundlicheren Kündigungsvorschriften für Kleinunternehmen zurückgreifen können. Die Trennung von Mitarbeitern wird dadurch deutlich besser kalkulierbar.

Rechtsanwältin Dr. Stefanie Lebek

dmp.milano@derra.it

Stand 08/2018

 

Die genaue Anzahl von im Unternehmen oder Betrieb beschäftigten Arbeitnehmern ist häufig von entscheidender Bedeutung für Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

Man denke nur an das Kündigungsschutzgesetz, das grundsätzlich in Betrieben mit mehr als 10 regelmäßig beschäftigten Arbeitnehmern Anwendung findet oder an die Einrichtung von Aufsichtsräten nach dem Mitbestimmungsgesetz, die erst dann zu bilden sind, wenn in der Regel mehr als 2000 Arbeitnehmer (sog. Schwellenwert) beschäftigt werden.

Im Zeitalter zunehmender Globalisierung stellt sich die Frage: werden auch im Ausland beschäftigte Mitarbeiter bei der Bestimmung der Anzahl der Beschäftigten eingerechnet?

Für den Bereich des Schwellenwerts im Rahmen der Mitbestimmung ist dies umstritten und noch nicht höchstrichterlich entschieden.

In einer neuen Entscheidung vom Februar 2018 hat sich nun das LG Hamburg der herrschenden Auffassung angeschlossen: Arbeitnehmer, die in ausländischen Betriebsstätten des inländischen Unternehmens beschäftigt sind, werden nicht mitgezählt. Der Grund ist das Territorialitätsprinzip: derartige Arbeitnehmer im Ausland werden nicht vom Anwendungsbereich deutscher Gesetze umfasst.

Gleiches gilt für die Anwendung des Kündigungsschutzgesetzes: nur für in Deutschland belegene Betriebe gilt das Kündigungschutzgesetz. Hat ein ausländisches Unternehmen auch Betriebe in Deutschland, kommt es für die Anzahl der regelmäßig beschäftigten Arbeitnehmer nur auf die in Deutschland beschäftigten Arbeitnehmer an, nicht aber auf die Arbeitnehmer, die im Ausland beschäftigt sind.

In Italien liegt die “magische Zahl” im Kündigungsrecht bei 15 Arbeitnehmern. Beschäftigt der Arbeitgeber mehr als 15 Arbeitnehmer, muss er besondere Verfahren bei der betriebsbedingten Kündigung beachten, die Folgen einer sozialwidrigen Kündigung ändern sich und es sind wesentlich höhere Entschädigungen zu zahlen.

Im Jahr 2016 hat das Kassationsgericht in einem seltenen Urteil zu diesem Thema ebenfalls entschieden, dass nur in Italien beschäftigte Mitarbeiter für der Berechnung der Anzahl der Arbeitnehmer relevant sind. Geklagt hatte die einzige bei einer unselbständigen Niederlassung eines holländischen Großunternehmens beschäftigte italienische Arbeitnehmerin; diese konnte sich jedoch nicht auf die für Großunternehmen geltende, arbeitnehmerfreundlicheren Kündigungsvorschriften berufen.

Viele ausländische Unternehmen besitzen in Italien nur eine Niederlassung mit wenigen Mitarbeitern oder haben italienische Arbeitnehmer sogar unmittelbar ohne Struktur in Italien angestellt. Für sie ist diese Entscheidung besonders relevant, da sie bei geringem Personalbestand auf die arbeitgeberfreundlicheren Kündigungsvorschriften für Kleinunternehmen zurückgreifen können. Die Trennung von Mitarbeitern wird dadurch deutlich besser kalkulierbar.

Rechtsanwältin Dr. Stefanie Lebek

dmp.milano@derra.it

Stand 08/2018

 

17 Jul
2018

Hemmung einer Ausschlussfrist wegen Vergleichsverhandlungen

In vielen Arbeits- und Tarifverträgen sind sogenannte Ausschlussfristen geregelt. Regelungsinhalt dieser Ausschlussfristen ist, dass Ansprüche ...

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In vielen Arbeits- und Tarifverträgen sind sogenannte Ausschlussfristen geregelt. Regelungsinhalt dieser Ausschlussfristen ist, dass Ansprüche innerhalb eines bestimmten Zeitraumes gegenüber der anderen Partei geltend gemacht werden müssen. In einem Arbeitsvertrag muss diese Frist mindestens drei Monate betragen. Ausschlussfristen sind teilweise auch zweistufig konzipiert. Dies bedeutet, dass der Anspruch zunächst schriftlich und innerhalb einer weiteren Frist dann gerichtlich geltend gemacht werden muss. Nach Ablauf der Frist kann ein Anspruch nicht mehr durchgesetzt werden. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass die Ausschlussfrist wirksam vereinbart wurde.

Das Bundesarbeitsgericht hat nun aktuell (Urteil vom 20.06.2018 – 5 AZR 262/17) entschieden, dass die Ausschlussfrist in entsprechender Anwendung des § 203 Satz 1 BGB gehemmt ist, solange die Parteien vorgerichtliche Vergleichsverhandlungen führen.

In diesem Fall hatte ein Arbeitnehmer nach Ablauf der zweiten Stufe der Ausschlussfrist Klage auf Zahlung beim Arbeitsgericht erhoben. Zuvor hatten über den Anspruch Verhandlungen mit dem Arbeitgeber stattgefunden.

§ 203 Satz 1 BGB regelt die Hemmung einer Verjährung und ist somit nicht unmittelbar für Ausschlussfristen anzuwenden. Dementsprechend hatte das Arbeitsgericht die Klage abgewiesen, das Landesarbeitsgericht hatte die Berufung des Klägers zurückgewiesen.

Das Bundesarbeitsgericht hat nun aber entschieden, dass § 203 Satz 1 BGB auf Ausschlussfristen entsprechende Anwendung findet. Dies bedeutet, dass der Zeitraum, während dessen die Vergleichsverhandlungen andauern, gemäß § 209 BGB in die Ausschlussfrist nicht eingerechnet wird.

Nach dieser Entscheidung ist es den Parteien möglich, über einen Anspruch zu verhandeln, ohne bereits im Laufe von Vergleichsgesprächen Klage zur Wahrung der Ausschlussfrist erheben zu müssen.

Rechtsanwalt Alexander Mainka

dmp@derra-ul.de

Stand: 07/2018

In vielen Arbeits- und Tarifverträgen sind sogenannte Ausschlussfristen geregelt. Regelungsinhalt dieser Ausschlussfristen ist, dass Ansprüche innerhalb eines bestimmten Zeitraumes gegenüber der anderen Partei geltend gemacht werden müssen. In einem Arbeitsvertrag muss diese Frist mindestens drei Monate betragen. Ausschlussfristen sind teilweise auch zweistufig konzipiert. Dies bedeutet, dass der Anspruch zunächst schriftlich und innerhalb einer weiteren Frist dann gerichtlich geltend gemacht werden muss. Nach Ablauf der Frist kann ein Anspruch nicht mehr durchgesetzt werden. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass die Ausschlussfrist wirksam vereinbart wurde.

Das Bundesarbeitsgericht hat nun aktuell (Urteil vom 20.06.2018 – 5 AZR 262/17) entschieden, dass die Ausschlussfrist in entsprechender Anwendung des § 203 Satz 1 BGB gehemmt ist, solange die Parteien vorgerichtliche Vergleichsverhandlungen führen.

In diesem Fall hatte ein Arbeitnehmer nach Ablauf der zweiten Stufe der Ausschlussfrist Klage auf Zahlung beim Arbeitsgericht erhoben. Zuvor hatten über den Anspruch Verhandlungen mit dem Arbeitgeber stattgefunden.

§ 203 Satz 1 BGB regelt die Hemmung einer Verjährung und ist somit nicht unmittelbar für Ausschlussfristen anzuwenden. Dementsprechend hatte das Arbeitsgericht die Klage abgewiesen, das Landesarbeitsgericht hatte die Berufung des Klägers zurückgewiesen.

Das Bundesarbeitsgericht hat nun aber entschieden, dass § 203 Satz 1 BGB auf Ausschlussfristen entsprechende Anwendung findet. Dies bedeutet, dass der Zeitraum, während dessen die Vergleichsverhandlungen andauern, gemäß § 209 BGB in die Ausschlussfrist nicht eingerechnet wird.

Nach dieser Entscheidung ist es den Parteien möglich, über einen Anspruch zu verhandeln, ohne bereits im Laufe von Vergleichsgesprächen Klage zur Wahrung der Ausschlussfrist erheben zu müssen.

Rechtsanwalt Alexander Mainka

dmp@derra-ul.de

Stand: 07/2018

22 Jan
2018

Eigenkündigung per App in Italien – willkommen in der Zukunft!

Schon seit einigen Jahren legt Italien verstärkt Wert auf elektronischen Fortschritt im Bereich der Kommunikation mit den Behörden – nun auch im Bereich der Kündigung.

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Schon seit einigen Jahren legt Italien verstärkt Wert auf elektronischen Fortschritt im Bereich der Kommunikation mit den Behörden – nun auch im Bereich der Kündigung.

Wir erinnern uns: Anders als in Deutschland können arbeitsrechtliche Eigenkündigungen und Vertragsauflösungen in Italien nicht einfach im Verhältnis Arbeitgeber – Arbeitnehmer erfolgen. Seit März 2016 müssen diese Erklärungen durch den Arbeitnehmer online über eine Website des Arbeitsministeriums (www.cliclavoro.gov.it) abgegeben werden und werden sowohl dem Arbeitgeber als auch dem Arbeitsministerium zugesandt. Die Einhaltung dieses Verfahrens ist Wirksamkeitsvoraussetzung für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Hintergrund dieses aufwändigeren Verfahrens ist die in einigen Gegenden Italiens verbreitete Praxis, den Arbeitnehmer bei seiner Anstellung gleich eine undatierte Eigenkündigung unterschreiben zu lassen, um ein Druckmittel gegen diesen in der Hand zu haben oder ihn ohne weitere Probleme wieder vom Arbeitsplatz “entfernen” zu können.

Um das elektronische Verfahren nutzerfreundlicher zu gestalten, hat das Arbeitsministerium nun eine APP entwickeln lassen, mit der die notwendigen Formulare direkt vom Smartphone ausgefüllt werden können. Man darf gespannt sein, was die italienischen Ministerien für die Zukunft noch “in der Pipeline” haben.

Rechtsanwältin Dr. Stefanie Lebek

dmp.milano@derra.it

Stand: 01/2018

Schon seit einigen Jahren legt Italien verstärkt Wert auf elektronischen Fortschritt im Bereich der Kommunikation mit den Behörden – nun auch im Bereich der Kündigung.

Wir erinnern uns: Anders als in Deutschland können arbeitsrechtliche Eigenkündigungen und Vertragsauflösungen in Italien nicht einfach im Verhältnis Arbeitgeber – Arbeitnehmer erfolgen. Seit März 2016 müssen diese Erklärungen durch den Arbeitnehmer online über eine Website des Arbeitsministeriums (www.cliclavoro.gov.it) abgegeben werden und werden sowohl dem Arbeitgeber als auch dem Arbeitsministerium zugesandt. Die Einhaltung dieses Verfahrens ist Wirksamkeitsvoraussetzung für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Hintergrund dieses aufwändigeren Verfahrens ist die in einigen Gegenden Italiens verbreitete Praxis, den Arbeitnehmer bei seiner Anstellung gleich eine undatierte Eigenkündigung unterschreiben zu lassen, um ein Druckmittel gegen diesen in der Hand zu haben oder ihn ohne weitere Probleme wieder vom Arbeitsplatz “entfernen” zu können.

Um das elektronische Verfahren nutzerfreundlicher zu gestalten, hat das Arbeitsministerium nun eine APP entwickeln lassen, mit der die notwendigen Formulare direkt vom Smartphone ausgefüllt werden können. Man darf gespannt sein, was die italienischen Ministerien für die Zukunft noch “in der Pipeline” haben.

Rechtsanwältin Dr. Stefanie Lebek

dmp.milano@derra.it

Stand: 01/2018

20 Nov
2017

Geplante Reform der EU- Entsenderichtlinie - das Ende von Sozial- und Lohndumping?

Auf Grund der im europäischen Binnenmarkt bestehenden Freizügigkeit werden jährlich ca. 2 Millionen Arbeitnehmer in andere EU-Länder entsandt.

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Auf Grund der im europäischen Binnenmarkt bestehenden Freizügigkeit werden jährlich ca. 2 Millionen Arbeitnehmer in andere EU-Länder entsandt. Ein Großteil der entsendeten Arbeitnehmer stammt aus Osteuropa. Bei den Zielländern liegt Deutschland mit jährlich mehr als 400.000 Beschäftigten aus dem EU-Ausland, gefolgt von Frankreich, Belgien und Österreich, an der Spitze. Mehr als 40 % der Entsendeten werden im Baugewerbe und ca. 25 % im Industriegewerbe beschäftigt. Dabei regelt die europäische Entsenderichtlinie von 1996 den Einsatz von entsendeten Arbeitnehmern unter Vorgabe bestimmter arbeitsrechtlicher Mindeststandards, wie zum Beispiel die Bezahlung des im Beschäftigungsland geltenden Mindestlohns. Selten ist es in der Realität jedoch so, dass die entsendeten Arbeitnehmer zu gleichen Lohn- und Arbeitsbedingungen beschäftigt werden, wie inländische Arbeitskräfte.

Um dem weit verbreitetem Sozial- und Lohndumping im Bereich der Arbeitnehmerentsendung den Kampf anzusagen, haben sich die Arbeits- und Sozialminister der EU im Oktober 2017 auf eine Neufassung der Entsenderichtlinie geeinigt. Kerninhalt der geplanten Änderungen ist das Prinzip einer einheitlichen Entlohnung von inländischen und entsendeten Arbeitnehmern. Damit wären die für einheimische Arbeitnehmer geltenden Lohn- und Entgeltregeln uneingeschränkt auch auf entsendete Beschäftigte anzuwenden. Hinzu kommt, dass Entsendungen künftig befristet werden sollen auf einen Zeitraum von in der Regel 12 Monate, der nur in Ausnahmefällen auf 18 Monate verlängert werden kann. Bislang ist eine Entsendung bis zu fünf Jahren erlaubt. Nach Ablauf dieser Frist sind die Arbeitnehmer uneingeschränkt in dem Land sozialversicherungspflichtig, in dem sie ihre Tätigkeit ausüben.

Verhindert werden sollen durch die Reform auch die immer häufiger anzutreffenden Briefkastenfirmen, die in EU-Ländern mit niedrigen Lohn- und Sozialversicherungskosten gegründet werden, um höhere Tarif und Mindestlöhne beispielsweise in Deutschland oder Frankreich zu umgehen. Zudem geht es um den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit inländischer Betriebe gegenüber ausländischen Unternehmen, die von niedrigen Lohnkosten profitieren.

Das Transportgewerbe ist von dem Reformvorhaben ausgenommen; hier sollen speziell auf das Transportgeschäft ausgerichtet Regelungen gefunden werden. Das Reformvorhaben muss noch vom EU-Parlament verabschiedet werden. Eine Zustimmung gilt jedoch trotz der vornehmlich aus osteuropäischen Staaten laut werdenden Kritik, als wahrscheinlich.

Die Reform ist dringend erforderlich, auch wenn die derzeit geltende Entsenderichtlinie bereits Mindeststandards, wie die Entrichtung des gesetzlichen Mindestlohns,vorsieht. Da häufig wesentliche Gehaltsbestandteile wie Zulagen, Prämien oder Schlechtwettergeld nicht gewährt werden, entspricht die Entlohnung der entsandten Arbeitnehmer oft nur der Hälfte der Vergütung der einheimischen Beschäftigten. Sollte die EU jedoch nicht zugleich ein schärferes und wirksameres System zur Kontrolle der Einhaltung der Richtlinie bzw. der auf Grundlage der Richtlinie zu erlassenden nationalen Gesetzgebung etablieren, ist zu befürchten, dass die Reform ihre beabsichtigte Wirkung nicht erreichen wird.

Bei weiteren Fragen zum internationalen Arbeitsrecht und zur grenzüberschreitenden Beschäftigung oder Entsendung von Arbeitnehmern stehen wir Ihnen in unserem Büro in Düsseldorf als auch an unseren weiteren Standorten gerne zur Verfügung.

Rechtsanwältin Ruth Witten-Violetti

dmp@derra-d.de

Stand: 11/2017

Auf Grund der im europäischen Binnenmarkt bestehenden Freizügigkeit werden jährlich ca. 2 Millionen Arbeitnehmer in andere EU-Länder entsandt. Ein Großteil der entsendeten Arbeitnehmer stammt aus Osteuropa. Bei den Zielländern liegt Deutschland mit jährlich mehr als 400.000 Beschäftigten aus dem EU-Ausland, gefolgt von Frankreich, Belgien und Österreich, an der Spitze. Mehr als 40 % der Entsendeten werden im Baugewerbe und ca. 25 % im Industriegewerbe beschäftigt. Dabei regelt die europäische Entsenderichtlinie von 1996 den Einsatz von entsendeten Arbeitnehmern unter Vorgabe bestimmter arbeitsrechtlicher Mindeststandards, wie zum Beispiel die Bezahlung des im Beschäftigungsland geltenden Mindestlohns. Selten ist es in der Realität jedoch so, dass die entsendeten Arbeitnehmer zu gleichen Lohn- und Arbeitsbedingungen beschäftigt werden, wie inländische Arbeitskräfte.

Um dem weit verbreitetem Sozial- und Lohndumping im Bereich der Arbeitnehmerentsendung den Kampf anzusagen, haben sich die Arbeits- und Sozialminister der EU im Oktober 2017 auf eine Neufassung der Entsenderichtlinie geeinigt. Kerninhalt der geplanten Änderungen ist das Prinzip einer einheitlichen Entlohnung von inländischen und entsendeten Arbeitnehmern. Damit wären die für einheimische Arbeitnehmer geltenden Lohn- und Entgeltregeln uneingeschränkt auch auf entsendete Beschäftigte anzuwenden. Hinzu kommt, dass Entsendungen künftig befristet werden sollen auf einen Zeitraum von in der Regel 12 Monate, der nur in Ausnahmefällen auf 18 Monate verlängert werden kann. Bislang ist eine Entsendung bis zu fünf Jahren erlaubt. Nach Ablauf dieser Frist sind die Arbeitnehmer uneingeschränkt in dem Land sozialversicherungspflichtig, in dem sie ihre Tätigkeit ausüben.

Verhindert werden sollen durch die Reform auch die immer häufiger anzutreffenden Briefkastenfirmen, die in EU-Ländern mit niedrigen Lohn- und Sozialversicherungskosten gegründet werden, um höhere Tarif und Mindestlöhne beispielsweise in Deutschland oder Frankreich zu umgehen. Zudem geht es um den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit inländischer Betriebe gegenüber ausländischen Unternehmen, die von niedrigen Lohnkosten profitieren.

Das Transportgewerbe ist von dem Reformvorhaben ausgenommen; hier sollen speziell auf das Transportgeschäft ausgerichtet Regelungen gefunden werden. Das Reformvorhaben muss noch vom EU-Parlament verabschiedet werden. Eine Zustimmung gilt jedoch trotz der vornehmlich aus osteuropäischen Staaten laut werdenden Kritik, als wahrscheinlich.

Die Reform ist dringend erforderlich, auch wenn die derzeit geltende Entsenderichtlinie bereits Mindeststandards, wie die Entrichtung des gesetzlichen Mindestlohns,vorsieht. Da häufig wesentliche Gehaltsbestandteile wie Zulagen, Prämien oder Schlechtwettergeld nicht gewährt werden, entspricht die Entlohnung der entsandten Arbeitnehmer oft nur der Hälfte der Vergütung der einheimischen Beschäftigten. Sollte die EU jedoch nicht zugleich ein schärferes und wirksameres System zur Kontrolle der Einhaltung der Richtlinie bzw. der auf Grundlage der Richtlinie zu erlassenden nationalen Gesetzgebung etablieren, ist zu befürchten, dass die Reform ihre beabsichtigte Wirkung nicht erreichen wird.

Bei weiteren Fragen zum internationalen Arbeitsrecht und zur grenzüberschreitenden Beschäftigung oder Entsendung von Arbeitnehmern stehen wir Ihnen in unserem Büro in Düsseldorf als auch an unseren weiteren Standorten gerne zur Verfügung.

Rechtsanwältin Ruth Witten-Violetti

dmp@derra-d.de

Stand: 11/2017