Vertriebs- und Handelsvertreterrecht

Ein Produkt herzustellen ist die eine Sache, es zu vermarkten und zu vertreiben eine andere. Hierzu bedarf es geeigneter Vertriebswege, beispielsweise durch die Beschäftigung von Handelsvertretern, Vertrags- bzw. Vertriebshändlern oder Franchisenehmern.

Rechtliche Beratung von Unternehmern, Handelsvertretern, Vertragshändlern und Franchisenehmern

Zur täglichen Praxis von Derra, Meyer & Partner gehört es, sowohl Unternehmer als auch Handelsvertreter, Vertragshändler oder Franchisenehmer bei der Ausarbeitung der erforderlichen Verträge zu unterstützen und zu beraten. Wenn es zum Streit im Hinblick auf Kündigung, Provisionsanspruch und Provisionsabrechnungen, Buchauszug, Abfindung bzw. Ausgleichsanspruch etc. kommt, übernehmen wir sowohl die außergerichtliche als auch gerichtliche Vertretung bzw. die Vertretung vor einem Schiedsgericht für Sie.

Interessenvertretung und Vertragsgestaltung in fünf verschiedenen Sprachen

Gerade bei grenzüberschreitenden Angelegenheiten können wir Ihnen auf Grund unserer langjährigen Tätigkeit und Erfahrung im internationalen Rechtsverkehr qualifizierte Beratung anbieten. Eine Interessenvertretung und Vertragsgestaltung kann dabei in deutscher, englischer, italienischer, polnischer und auch russischer Sprache erfolgen.

Vorträge und Publikationen zum Vertriebsrecht

Durch stetige Fortbildung und direkten Kontakt zu der Centralvereinigung Deutscher Wirtschaftsverbände für Handelsvermittlung und Vertrieb (CDH) e.V. in Berlin, zu deren Vertrauensanwälten die Kanzlei Derra, Meyer & Partner gehört, sind wir stets über den neuesten Stand der Entwicklungen im Bereich des Vertriebsrechts informiert. Zudem bieten wir im Bereich des Vertriebsrechts regelmäßig Vortragsveranstaltungen an und publizieren Beiträge zu praxisnahen Themen oder relevanten Gesetzesänderungen.

Ansprechpartner

Aktuelles

30 Jan
2018

Betriebsstätte – Vertriebsmitarbeiter im Ausland als Risikopotential

Viele deutsche Unternehmen möchten gerne in Italien vor Ort präsent sein, ohne eine Niederlassung oder gar eine Tochtergesellschaft zu gründen.

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Viele deutsche Unternehmen möchten gerne in Italien vor Ort präsent sein, ohne eine Niederlassung oder gar eine Tochtergesellschaft zu gründen. Neben den hierbei anfallenden Kosten und dem Verwaltungsaufwand will man flexibel bleiben, die Investitionen gering halten und sich gegebenenfalls schnell wieder aus dem Markt zurückziehen.

Aber Vorsicht – das kann teuer werden! Denn ganz ungewollt kann das ausländische Unternehmen auch bei einem einzigen Mitarbeiter in Italien eine Betriebsstätte betreiben. Hieran geknüpft ist die Pflicht, in Italien Steuern zu zahlen und eine gesonderte Buchführung vorzuhalten. Ein Verstoß führt nicht nur zur Steuernachzahlung, sondern hat – je nach Umfang der Steuerschuld – auch strafrechtliche Folgen für die Entscheidungsträger.

Zum Jahresende 2017 hat Italien in seinem neuen Haushaltsgesetz die Anforderungen an eine Betriebsstätte nochmal konkretisiert – und damit das Risiko für ausländische Unternehmen erhöht.

Worin liegt nun genau die Problematik?

Eine ausländischen Gesellschaft betreibt eine Betriebsstätte in Italien, wenn diese Gesellschaft in Italien dauerhaft über eine feste Einrichtung verfügt, über die sie zumindest Teile ihrer Geschäftstätigkeit in Italien ausübt (so das it. Einkommen- bzw. Körperschaftsteuergesetz, Art. 162 TUIR). Eine solche Betriebsstätte kann technischer oder eben auch (rein) menschlicher Natur sein.

Diesen “menschlichen” Charakter der Betriebsstätte wollen wir etwas näher betrachten. Dabei gehen wir davon aus, dass das ausländische Unternehmen über keine anderweitigen Einrichtungen in Italien verfügt, sondern dort lediglich einen einzigen, bei ihm angestellten Mitarbeiter (z.B. mit Homeoffice) beschäftigt.

Übt dieser Mitarbeiter nur Tätigkeiten aus, die rein vorbereitenden oder Hilfscharakter für das wirtschaftliche Geschäft des (deutschen) Unternehmens haben, dann liegt grundsätzlich keine Betriebsstätte vor. Diese Ausnahme wird allerdings eng gefasst. Hilfstätigkeiten sollen nur noch solche sein, die nicht in den Kernbereich des Unternehmenstätigkeit fallen. Nicht als bloße Hilfstätigkeiten gelten hingegen Kundendiensttätigkeiten, Verkaufsaktivitäten und Kundenbetreuung … .

Ist der Mitarbeiter dagegen auch befugt, in Italien Verträge abzuschließen, die nicht lediglich Einkaufsverträge sind, dann ist von einer Betriebsstätte in Italien auszugehen.

Im neuen Haushaltsgesetz 2018 wird jetzt noch weitergehend festgestellt: Ist ein Vertriebsmitarbeiter zwar nicht zum Abschluss von Verträgen befugt, handelt aber gewohnheitsmäßig zum Zwecke des Vertragsabschlusses, der dann ohne wesentlichen Änderungen durch das ausländische Unternehmen erfolgt, besteht ebenfalls eine Betriebsstätte.

Liegt das Heil nun in der Beschäftigung unabhängiger Handelsvertreter? Nicht unbedingt. Zwar dürfte in diesem Fall eine Betriebsstätte in Italien im Grundsatz zu verneinen sein. Allerdings wird das Kriterium der Unabhängigkeit zunehmend enger ausgelegt, so dass auch schon Handelsvertreter, die nur für ein Unternehmen arbeiten, als abhängig –und damit genau wie angestellte Arbeitnehmer– angesehen werden: mit der Folge, dass das ausländischen Unternehmen in Italien dann ebenfalls eine Betriebsstätte unterhält.

Fazit: die “billige” Lösung in Italien kann das Unternehmen im Ausland teuer zu stehen kommen.

Rechtsanwältin Dr. Stefanie Lebek

dmp.milano@derra.it

Stand: 01/2018

Viele deutsche Unternehmen möchten gerne in Italien vor Ort präsent sein, ohne eine Niederlassung oder gar eine Tochtergesellschaft zu gründen. Neben den hierbei anfallenden Kosten und dem Verwaltungsaufwand will man flexibel bleiben, die Investitionen gering halten und sich gegebenenfalls schnell wieder aus dem Markt zurückziehen.

Aber Vorsicht – das kann teuer werden! Denn ganz ungewollt kann das ausländische Unternehmen auch bei einem einzigen Mitarbeiter in Italien eine Betriebsstätte betreiben. Hieran geknüpft ist die Pflicht, in Italien Steuern zu zahlen und eine gesonderte Buchführung vorzuhalten. Ein Verstoß führt nicht nur zur Steuernachzahlung, sondern hat – je nach Umfang der Steuerschuld – auch strafrechtliche Folgen für die Entscheidungsträger.

Zum Jahresende 2017 hat Italien in seinem neuen Haushaltsgesetz die Anforderungen an eine Betriebsstätte nochmal konkretisiert – und damit das Risiko für ausländische Unternehmen erhöht.

Worin liegt nun genau die Problematik?

Eine ausländischen Gesellschaft betreibt eine Betriebsstätte in Italien, wenn diese Gesellschaft in Italien dauerhaft über eine feste Einrichtung verfügt, über die sie zumindest Teile ihrer Geschäftstätigkeit in Italien ausübt (so das it. Einkommen- bzw. Körperschaftsteuergesetz, Art. 162 TUIR). Eine solche Betriebsstätte kann technischer oder eben auch (rein) menschlicher Natur sein.

Diesen “menschlichen” Charakter der Betriebsstätte wollen wir etwas näher betrachten. Dabei gehen wir davon aus, dass das ausländische Unternehmen über keine anderweitigen Einrichtungen in Italien verfügt, sondern dort lediglich einen einzigen, bei ihm angestellten Mitarbeiter (z.B. mit Homeoffice) beschäftigt.

Übt dieser Mitarbeiter nur Tätigkeiten aus, die rein vorbereitenden oder Hilfscharakter für das wirtschaftliche Geschäft des (deutschen) Unternehmens haben, dann liegt grundsätzlich keine Betriebsstätte vor. Diese Ausnahme wird allerdings eng gefasst. Hilfstätigkeiten sollen nur noch solche sein, die nicht in den Kernbereich des Unternehmenstätigkeit fallen. Nicht als bloße Hilfstätigkeiten gelten hingegen Kundendiensttätigkeiten, Verkaufsaktivitäten und Kundenbetreuung … .

Ist der Mitarbeiter dagegen auch befugt, in Italien Verträge abzuschließen, die nicht lediglich Einkaufsverträge sind, dann ist von einer Betriebsstätte in Italien auszugehen.

Im neuen Haushaltsgesetz 2018 wird jetzt noch weitergehend festgestellt: Ist ein Vertriebsmitarbeiter zwar nicht zum Abschluss von Verträgen befugt, handelt aber gewohnheitsmäßig zum Zwecke des Vertragsabschlusses, der dann ohne wesentlichen Änderungen durch das ausländische Unternehmen erfolgt, besteht ebenfalls eine Betriebsstätte.

Liegt das Heil nun in der Beschäftigung unabhängiger Handelsvertreter? Nicht unbedingt. Zwar dürfte in diesem Fall eine Betriebsstätte in Italien im Grundsatz zu verneinen sein. Allerdings wird das Kriterium der Unabhängigkeit zunehmend enger ausgelegt, so dass auch schon Handelsvertreter, die nur für ein Unternehmen arbeiten, als abhängig –und damit genau wie angestellte Arbeitnehmer– angesehen werden: mit der Folge, dass das ausländischen Unternehmen in Italien dann ebenfalls eine Betriebsstätte unterhält.

Fazit: die “billige” Lösung in Italien kann das Unternehmen im Ausland teuer zu stehen kommen.

Rechtsanwältin Dr. Stefanie Lebek

dmp.milano@derra.it

Stand: 01/2018

05 Sep
2017

Verjährung des Anspruchs des Handelsvertreters auf Buchauszug (aktuelles BGH-Urteil)

Selten hat ein Handelsvertreter Einblicke in die tatsächlichen Geschäftsabläufe des von ihm vertretenen Unternehmens.

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Selten hat ein Handelsvertreter Einblicke in die tatsächlichen Geschäftsabläufe des von ihm vertretenen Unternehmens. Gerade in Bezug auf provisionspflichtige Geschäftsabschlüsse müsste er den Angaben des Unternehmens geradezu blind vertrauen, gäbe es nicht den gesetzlich vorgesehenen Anspruch des Handelsvertreters auf Erteilung eines Buchauszugs. Der vom Unternehmer zu erstellende Buchauszug soll es dem Handelsvertreter ermöglichen, die Provisionsabrechnungen auf Richtigkeit und Vollständigkeit bezüglich jedem einzelnen provisionspflichtigen Geschäft überprüfen zu können. Der Buchauszug hat eine ganze Reihe von Angaben über die vom Unternehmer ausgeführten Geschäfte zu enthalten, so dass seine Erteilung für diesen mitunter ein aufwendiges und lästiges Unterfangen darstellen kann.

Häufig dient der Buchauszug der Vorbereitung und Durchsetzung von Provisionsansprüchen und wird als erste Stufe einer Klage geltend gemacht. Einiges ist jedoch unklar in Zusammenhang mit der Erteilung des Buchauszugs, insbesondere die Frage, wann der Anspruch entsteht und verjährt. Der Bundesgerichtshof hatte in einer aktuellen Entscheidung (Urteil vom 03.08.2017, Az. VII ZR 32/17) über den Anspruch eines Handelsvertreters auf Erteilung eines Buchauszugs zu entscheiden, der nach Ansicht des Unternehmens bereits in weiten Teilen verjährt war. Der BGH nimmt in seiner Entscheidung zu einigen wichtigen, in Rechtsprechung und Literatur kontrovers diskutierten Punkten Stellung. Nachfolgend die wichtigsten Aussagen des BGH-Urteils:

Die wichtigsten Aussagen des BGH-Urteils

Grundsätzlich verjährt der Anspruch drei Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres in dem der Anspruch entstanden ist und der Handelsvertreter von den den Anspruch begründenden Umständen Kenntnis erlangt hat. Der Anspruch auf Erteilung des Buchauszugs entsteht somit, sobald der Unternehmer für einen bestimmten Abrechnungszeitraum eine abschließende und vorbehaltslose Provisionsabrechnung erteilt und damit stillschweigend erklärt hat, dass weitere Provisionsforderungen nicht bestehen. Ab diesem Moment steht dem Handelsvertreter das Recht zu, die Angaben des Unternehmers über den Buchauszug zu überprüfen. Beginn der dreijährigen Verjährungsfrist ist demnach der Schluss des Jahres, in dem die abschließende Abrechnung durch den Unternehmer erteilt wurde. Soweit, so gut.

Der BGH hat allerdings in Abweichung zur Auffassung einiger Oberlandesgerichte klargestellt, dass die Entstehung des Anspruchs und damit auch der Lauf der Verjährungsfrist nicht davon abhängig sind, dass der Unternehmer seine Abrechnung tatsächlich vollständig erteilt und alle provisionspflichtigen Geschäft einbezogen hat. Dies bedeutet, dass auch in Bezug auf nicht erfasste Geschäfte die Verjährungsfrist für die Erteilung des Buchauszugs zu laufen beginnt, selbst wenn der Handelsvertreter von diesen Geschäften keine Kenntnis hatte. Nach Auffassung des BGH dient der Buchauszug gerade der Kontrolle und auch der Aufdeckung solcher provisionspflichtiger Geschäfte, die der Unternehmer in seiner Abrechnung nicht berücksichtigt hat.

Der Anspruch auf Erteilung eines Buchauszugs entsteht allerdings nicht schon dann, wenn der Anspruch auf Erteilung einer Provisionsabrechnung vorliegt. Damit hat der BGH einer in der Literatur und Rechtsprechung weit verbreiteten Auffassung eine Absage erteilt. Der BGH stellt in Abgrenzung zu seiner bisherigen Rechtsprechung klar, dass der Handelsvertreter im Falle einer Weigerung des Unternehmers, eine Provisionsabrechnung zu erstellen, zwar die Erteilung des Buchauszugs zusammen mit der Abrechnung seiner Provisionen verlangen und auch gerichtlich geltend machen kann. Eine Verpflichtung zu einem solchen Vorgehen bestünde jedoch nicht. So könne der Handelsvertreter zunächst die Abrechnung verlangen und erst zu einem späteren Zeitpunkt den Buchauszug einfordern. Der Unternehmer werde dadurch nicht benachteiligt, denn es läge in seinem Einflussbereich, den Beginn der Verjährungsfrist durch Erteilung der Provisionsabrechnung in Gang zu setzen.

Die weiteren Ansätze, mit denen der die Revision beim BGH betreibende Handelsvertreter versucht hatte, den Entstehungspunkt des Anspruchs – und damit auch den Eintritt der Verjährung - auf einen möglichst späten Zeitpunkt zu verlagern, hat der BGH nicht als durchgreifend angesehen.

Die Entstehung des Anspruchs könne nicht davon abhängig gemacht werden, dass das Vertragsverhältnis zwischen den Parteien beendet ist. Das Recht des Handelsvertreters auf Erteilung eines Buchauszugs bestünde jederzeit, auch während des laufenden Vertragsverhältnisses. Dass dadurch möglicher Weise die Beziehungen zwischen den Parteien belastet würden, führe nicht dazu, dass der Anspruch erst gar nicht zur Entstehung gelange.

Der Anspruch auf Erteilung des Buchauszugs bzw. seine Entstehung sei auch nicht davon abhängig, dass der Anspruch vom Handelsvertreter eingefordert werde. So könne der Unternehmer bereits zusammen mit der Provisionsabrechnung den Buchauszug erteilen, beispielsweise in der Form, dass er in der Abrechnung die für einen Buchauszug notwendigen Angaben vollständig darstelle.

Aussichten für die Praxis

Für die rechtliche Praxis bedeutet dies: Wird das Vertragsverhältnis nach langer Vertragsdauer beendet und kommen dem Handelsvertreter erst dann Zweifel an der ordnungsgemäßen Erstellung der Provisionsabrechnungen auf, wird er nach geltender Rechtsprechung regelmäßig mit dem Verjährungseinwand konfrontiert sein. Denn der Anspruch auf Erteilung eines Buchauszugs verjährt in Bezug auf alle vom Unternehmer in dem abgerechneten Zeitraum durchgeführten Geschäfte, nämlich drei Jahre nach Schluss des Jahres, in dem die Provisionsabrechnung erteilt wurde.

Der Handelsvertreter wird sich insbesondere nicht darauf berufen können, dass er von der Durchführung einzelner provisionspflichtiger, aber nicht verprovisionierter Geschäfte nichts gewusst habe. Dass dem Handelsvertreter die vom Unternehmer nicht oder nicht vollständig abgerechneten Geschäfte unbekannt waren und er zum damaligen Zeitpunkt keinen Anlass hatte, diese anhand eines Buchauszugs zu ermittelt und zu prüfen, findet keine Beachtung. Der BGH hat hier offensichtlich dem Rechtsfrieden eine größere Bedeutung beigemessen, als den schutzwürdigen Interessen des Handelsvertreters.

Dem Handelsvertreter kann nur große Sorgfalt bei der Prüfung der ihm vorgelegten Provisionsabrechnungen nahe gelegt werden. Die Entscheidung, bei Zweifeln auch während des laufenden Vertragsverhältnisses einen Buchauszug vom Unternehmer zu verlangen, ist angesichts des nicht von der Hand zu weisenden Risikos einer nachhaltigen Belastung der Vertragsbeziehungen sicherlich keine leichte.

Rechtsanwältin Ruth Witten-Violetti

dmp@derra-d.de

Stand: 09/2017

Selten hat ein Handelsvertreter Einblicke in die tatsächlichen Geschäftsabläufe des von ihm vertretenen Unternehmens. Gerade in Bezug auf provisionspflichtige Geschäftsabschlüsse müsste er den Angaben des Unternehmens geradezu blind vertrauen, gäbe es nicht den gesetzlich vorgesehenen Anspruch des Handelsvertreters auf Erteilung eines Buchauszugs. Der vom Unternehmer zu erstellende Buchauszug soll es dem Handelsvertreter ermöglichen, die Provisionsabrechnungen auf Richtigkeit und Vollständigkeit bezüglich jedem einzelnen provisionspflichtigen Geschäft überprüfen zu können. Der Buchauszug hat eine ganze Reihe von Angaben über die vom Unternehmer ausgeführten Geschäfte zu enthalten, so dass seine Erteilung für diesen mitunter ein aufwendiges und lästiges Unterfangen darstellen kann.

Häufig dient der Buchauszug der Vorbereitung und Durchsetzung von Provisionsansprüchen und wird als erste Stufe einer Klage geltend gemacht. Einiges ist jedoch unklar in Zusammenhang mit der Erteilung des Buchauszugs, insbesondere die Frage, wann der Anspruch entsteht und verjährt. Der Bundesgerichtshof hatte in einer aktuellen Entscheidung (Urteil vom 03.08.2017, Az. VII ZR 32/17) über den Anspruch eines Handelsvertreters auf Erteilung eines Buchauszugs zu entscheiden, der nach Ansicht des Unternehmens bereits in weiten Teilen verjährt war. Der BGH nimmt in seiner Entscheidung zu einigen wichtigen, in Rechtsprechung und Literatur kontrovers diskutierten Punkten Stellung. Nachfolgend die wichtigsten Aussagen des BGH-Urteils:

Die wichtigsten Aussagen des BGH-Urteils

Grundsätzlich verjährt der Anspruch drei Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres in dem der Anspruch entstanden ist und der Handelsvertreter von den den Anspruch begründenden Umständen Kenntnis erlangt hat. Der Anspruch auf Erteilung des Buchauszugs entsteht somit, sobald der Unternehmer für einen bestimmten Abrechnungszeitraum eine abschließende und vorbehaltslose Provisionsabrechnung erteilt und damit stillschweigend erklärt hat, dass weitere Provisionsforderungen nicht bestehen. Ab diesem Moment steht dem Handelsvertreter das Recht zu, die Angaben des Unternehmers über den Buchauszug zu überprüfen. Beginn der dreijährigen Verjährungsfrist ist demnach der Schluss des Jahres, in dem die abschließende Abrechnung durch den Unternehmer erteilt wurde. Soweit, so gut.

Der BGH hat allerdings in Abweichung zur Auffassung einiger Oberlandesgerichte klargestellt, dass die Entstehung des Anspruchs und damit auch der Lauf der Verjährungsfrist nicht davon abhängig sind, dass der Unternehmer seine Abrechnung tatsächlich vollständig erteilt und alle provisionspflichtigen Geschäft einbezogen hat. Dies bedeutet, dass auch in Bezug auf nicht erfasste Geschäfte die Verjährungsfrist für die Erteilung des Buchauszugs zu laufen beginnt, selbst wenn der Handelsvertreter von diesen Geschäften keine Kenntnis hatte. Nach Auffassung des BGH dient der Buchauszug gerade der Kontrolle und auch der Aufdeckung solcher provisionspflichtiger Geschäfte, die der Unternehmer in seiner Abrechnung nicht berücksichtigt hat.

Der Anspruch auf Erteilung eines Buchauszugs entsteht allerdings nicht schon dann, wenn der Anspruch auf Erteilung einer Provisionsabrechnung vorliegt. Damit hat der BGH einer in der Literatur und Rechtsprechung weit verbreiteten Auffassung eine Absage erteilt. Der BGH stellt in Abgrenzung zu seiner bisherigen Rechtsprechung klar, dass der Handelsvertreter im Falle einer Weigerung des Unternehmers, eine Provisionsabrechnung zu erstellen, zwar die Erteilung des Buchauszugs zusammen mit der Abrechnung seiner Provisionen verlangen und auch gerichtlich geltend machen kann. Eine Verpflichtung zu einem solchen Vorgehen bestünde jedoch nicht. So könne der Handelsvertreter zunächst die Abrechnung verlangen und erst zu einem späteren Zeitpunkt den Buchauszug einfordern. Der Unternehmer werde dadurch nicht benachteiligt, denn es läge in seinem Einflussbereich, den Beginn der Verjährungsfrist durch Erteilung der Provisionsabrechnung in Gang zu setzen.

Die weiteren Ansätze, mit denen der die Revision beim BGH betreibende Handelsvertreter versucht hatte, den Entstehungspunkt des Anspruchs – und damit auch den Eintritt der Verjährung - auf einen möglichst späten Zeitpunkt zu verlagern, hat der BGH nicht als durchgreifend angesehen.

Die Entstehung des Anspruchs könne nicht davon abhängig gemacht werden, dass das Vertragsverhältnis zwischen den Parteien beendet ist. Das Recht des Handelsvertreters auf Erteilung eines Buchauszugs bestünde jederzeit, auch während des laufenden Vertragsverhältnisses. Dass dadurch möglicher Weise die Beziehungen zwischen den Parteien belastet würden, führe nicht dazu, dass der Anspruch erst gar nicht zur Entstehung gelange.

Der Anspruch auf Erteilung des Buchauszugs bzw. seine Entstehung sei auch nicht davon abhängig, dass der Anspruch vom Handelsvertreter eingefordert werde. So könne der Unternehmer bereits zusammen mit der Provisionsabrechnung den Buchauszug erteilen, beispielsweise in der Form, dass er in der Abrechnung die für einen Buchauszug notwendigen Angaben vollständig darstelle.

Aussichten für die Praxis

Für die rechtliche Praxis bedeutet dies: Wird das Vertragsverhältnis nach langer Vertragsdauer beendet und kommen dem Handelsvertreter erst dann Zweifel an der ordnungsgemäßen Erstellung der Provisionsabrechnungen auf, wird er nach geltender Rechtsprechung regelmäßig mit dem Verjährungseinwand konfrontiert sein. Denn der Anspruch auf Erteilung eines Buchauszugs verjährt in Bezug auf alle vom Unternehmer in dem abgerechneten Zeitraum durchgeführten Geschäfte, nämlich drei Jahre nach Schluss des Jahres, in dem die Provisionsabrechnung erteilt wurde.

Der Handelsvertreter wird sich insbesondere nicht darauf berufen können, dass er von der Durchführung einzelner provisionspflichtiger, aber nicht verprovisionierter Geschäfte nichts gewusst habe. Dass dem Handelsvertreter die vom Unternehmer nicht oder nicht vollständig abgerechneten Geschäfte unbekannt waren und er zum damaligen Zeitpunkt keinen Anlass hatte, diese anhand eines Buchauszugs zu ermittelt und zu prüfen, findet keine Beachtung. Der BGH hat hier offensichtlich dem Rechtsfrieden eine größere Bedeutung beigemessen, als den schutzwürdigen Interessen des Handelsvertreters.

Dem Handelsvertreter kann nur große Sorgfalt bei der Prüfung der ihm vorgelegten Provisionsabrechnungen nahe gelegt werden. Die Entscheidung, bei Zweifeln auch während des laufenden Vertragsverhältnisses einen Buchauszug vom Unternehmer zu verlangen, ist angesichts des nicht von der Hand zu weisenden Risikos einer nachhaltigen Belastung der Vertragsbeziehungen sicherlich keine leichte.

Rechtsanwältin Ruth Witten-Violetti

dmp@derra-d.de

Stand: 09/2017

24 Jan
2017

Handelsvertreterrecht: Geltendmachung des Ausgleichsanspruchs kann unerwartete Folgen haben

Die bloße schriftliche Geltendmachung des Ausgleichsanspruches durch den Handelsvertreter nach Beendigung des Vertragsverhältnisses mit dem Unternehmen kann weitreichende Folgen haben, wie ein dem Bundesgerichtshof zur Entscheidung vorliegender Fall zeigt.

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Die bloße schriftliche Geltendmachung des Ausgleichsanspruches durch den Handelsvertreter nach Beendigung des Vertragsverhältnisses mit dem Unternehmen kann weitreichende Folgen haben, wie ein dem Bundesgerichtshof zur Entscheidung vorliegender Fall zeigt (vgl. Urteil des BGH vom 15.12.2016 – VII ZR 221/15).

Die Parteien – Handelsvertreter und Unternehmer – stritten darum, ob dem Handelsvertreter eine vertraglich vereinbarte unternehmerfinanzierte Altersversorgung (nachfolgend: Treuegeld) zustehe oder ob dieser Anspruch ausgeschlossen sei, da der Handelsvertreter bereits den ihm gesetzlich zustehenden Ausgleichsanspruch nach § 89 b HGB gegenüber dem Unternehmen schriftlich geltend gemacht hatte. Der Vertrag sah insoweit eine Regelung vor, nach der der Vertreter bereits mit der Geltendmachung des Ausgleichsanspruches auf die Treuegeld-Leistungen des Unternehmens verzichte.

Die beiden Vorinstanzen hatten dem Handelsvertreter Recht gegeben und hatten diesem trotz der Einforderung des Ausgleichsanspruches – der letztendlich vom Handelsvertreter fallen gelassen und nicht weiterverfolgt worden waren – Ansprüche auf Treuegeld zugesprochen in Form einer Einmalzahlung sowie einer monatlichen Rente. Nach Auffassung der Vorinstanzen sei die Erklärung des Handelsvertreters so auszulegen gewesen, dass eine Geltendmachung des Ausgleichsanspruchs nur unter der Bedingung erfolgen sollte, dass das Treuegeld dadurch nicht tangiert werde.

Der BGH hat jedoch diese im Wege der Revision durch das Unternehmen angegriffene Rechtsauffassung der Vorinstanzen verworfen, da er keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine derartige Auslegung feststellen konnte. Der Handelsvertreter habe seinen Anspruch auf Treuegeld durch die Geltendmachung des Ausgleichsanspruches vielmehr gemäß der insoweit getroffenen vertraglichen Vereinbarung verwirkt.

Diese vertragliche Regelung hatte der Bundesgerichtshof bereits in mehreren Entscheidungen als wirksam angesehen. Der Umstand, dass nach den vertraglichen Regelungen im Handelsvertretervertrag der Anspruch auf Treuegeld auch dann untergeht, wenn der geltend gemachte Ausgleichsanspruch gar nicht besteht oder der Höhe nach hinter dem Anspruch auf Treuegeld zurückbleibt, führe – nach Auffassung des Bundesgerichtshofes – zu keiner unangemessene Benachteiligung des Handelsvertreters. Dies begründet der Bundesgerichtshof damit, dass die Berechnung und die Durchsetzbarkeit des Ausgleichsanspruches in den Risikobereich des Handelsvertreters fallen. Dem Handelsvertreter stehe mit der Frist von einem Jahr, innerhalb derer der Ausgleichsanspruch nach Beendigung des Vertragsverhältnisses geltend zu machen ist, ein ausreichender Zeitraum zur Verfügung, sich darüber klar zu werden, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang ihm ein solcher Anspruch zustehe. Darüber hinaus verschlechtere sich die kraft Gesetz bestehende Rechtsposition des Handelsvertreters nicht, wenn er das durch eine freiwillige, jedoch auflösend bedingte Zusage des Unternehmers begründete Treuegeld nicht erhalte. Dem Unternehmen hingegen sei ein berechtigtes Interesses zuzusprechen, innerhalb der in § 89 b Abs. 4 Satz 2 HGB festgelegten Jahresfrist Klarheit darüber zu erlangen, welche der beiden Ansprüche der Handelsvertreter nunmehr einfordere.

Fazit: Damit wird deutlich, dass eine vorschnelle und unüberlegte Geltendmachung des Ausgleichsanspruches weitreichende Konsequenzen haben kann. Vor einer Geltendmachung des Ausgleichsanspruches sollte der Handelsvertreter daher in jedem Fall rechtliche Beratung eines im Handelsvertreterrecht spezialisierten Rechtsanwaltes in Anspruch nehmen. In dem vorliegenden Fall ist anzunehmen, dass der Handelsvertreter im Ergebnis leer ausging, da der Anspruch aus Ausgleichszahlung bereits verjährt war.

Rechtsanwältin Ruth Witten-Violetti

dmp@derra-d.de

Stand: 01/2017

Die bloße schriftliche Geltendmachung des Ausgleichsanspruches durch den Handelsvertreter nach Beendigung des Vertragsverhältnisses mit dem Unternehmen kann weitreichende Folgen haben, wie ein dem Bundesgerichtshof zur Entscheidung vorliegender Fall zeigt (vgl. Urteil des BGH vom 15.12.2016 – VII ZR 221/15).

Die Parteien – Handelsvertreter und Unternehmer – stritten darum, ob dem Handelsvertreter eine vertraglich vereinbarte unternehmerfinanzierte Altersversorgung (nachfolgend: Treuegeld) zustehe oder ob dieser Anspruch ausgeschlossen sei, da der Handelsvertreter bereits den ihm gesetzlich zustehenden Ausgleichsanspruch nach § 89 b HGB gegenüber dem Unternehmen schriftlich geltend gemacht hatte. Der Vertrag sah insoweit eine Regelung vor, nach der der Vertreter bereits mit der Geltendmachung des Ausgleichsanspruches auf die Treuegeld-Leistungen des Unternehmens verzichte.

Die beiden Vorinstanzen hatten dem Handelsvertreter Recht gegeben und hatten diesem trotz der Einforderung des Ausgleichsanspruches – der letztendlich vom Handelsvertreter fallen gelassen und nicht weiterverfolgt worden waren – Ansprüche auf Treuegeld zugesprochen in Form einer Einmalzahlung sowie einer monatlichen Rente. Nach Auffassung der Vorinstanzen sei die Erklärung des Handelsvertreters so auszulegen gewesen, dass eine Geltendmachung des Ausgleichsanspruchs nur unter der Bedingung erfolgen sollte, dass das Treuegeld dadurch nicht tangiert werde.

Der BGH hat jedoch diese im Wege der Revision durch das Unternehmen angegriffene Rechtsauffassung der Vorinstanzen verworfen, da er keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine derartige Auslegung feststellen konnte. Der Handelsvertreter habe seinen Anspruch auf Treuegeld durch die Geltendmachung des Ausgleichsanspruches vielmehr gemäß der insoweit getroffenen vertraglichen Vereinbarung verwirkt.

Diese vertragliche Regelung hatte der Bundesgerichtshof bereits in mehreren Entscheidungen als wirksam angesehen. Der Umstand, dass nach den vertraglichen Regelungen im Handelsvertretervertrag der Anspruch auf Treuegeld auch dann untergeht, wenn der geltend gemachte Ausgleichsanspruch gar nicht besteht oder der Höhe nach hinter dem Anspruch auf Treuegeld zurückbleibt, führe – nach Auffassung des Bundesgerichtshofes – zu keiner unangemessene Benachteiligung des Handelsvertreters. Dies begründet der Bundesgerichtshof damit, dass die Berechnung und die Durchsetzbarkeit des Ausgleichsanspruches in den Risikobereich des Handelsvertreters fallen. Dem Handelsvertreter stehe mit der Frist von einem Jahr, innerhalb derer der Ausgleichsanspruch nach Beendigung des Vertragsverhältnisses geltend zu machen ist, ein ausreichender Zeitraum zur Verfügung, sich darüber klar zu werden, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang ihm ein solcher Anspruch zustehe. Darüber hinaus verschlechtere sich die kraft Gesetz bestehende Rechtsposition des Handelsvertreters nicht, wenn er das durch eine freiwillige, jedoch auflösend bedingte Zusage des Unternehmers begründete Treuegeld nicht erhalte. Dem Unternehmen hingegen sei ein berechtigtes Interesses zuzusprechen, innerhalb der in § 89 b Abs. 4 Satz 2 HGB festgelegten Jahresfrist Klarheit darüber zu erlangen, welche der beiden Ansprüche der Handelsvertreter nunmehr einfordere.

Fazit: Damit wird deutlich, dass eine vorschnelle und unüberlegte Geltendmachung des Ausgleichsanspruches weitreichende Konsequenzen haben kann. Vor einer Geltendmachung des Ausgleichsanspruches sollte der Handelsvertreter daher in jedem Fall rechtliche Beratung eines im Handelsvertreterrecht spezialisierten Rechtsanwaltes in Anspruch nehmen. In dem vorliegenden Fall ist anzunehmen, dass der Handelsvertreter im Ergebnis leer ausging, da der Anspruch aus Ausgleichszahlung bereits verjährt war.

Rechtsanwältin Ruth Witten-Violetti

dmp@derra-d.de

Stand: 01/2017

15 Nov
2016

Ausgleichsanspruch des Handelsvertreters - Neukunde kann auch ein bestehender Kunde sein

Der BGH hat in einer aktuellen Entscheidung den Begriff des Neukunden präzisiert, dem bei der Feststellung des in § 89 b HGB geregelten Ausgleichsanspruchs des Handelsvertreter eine wesentliche Bedeutung zukommt.

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Der BGH hat in einer aktuellen Entscheidung (Urteil vom 6.10.2016, Az. VII ZR 328/12) den Begriff des Neukunden präzisiert, dem bei der Feststellung des in § 89 b HGB geregelten Ausgleichsanspruchs des Handelsvertreter eine wesentliche Bedeutung zukommt. Der Ausgleichsanspruch des Handelsvertreters nach Beendigung des Vertragsverhältnisses mit einem Unternehmen ist u.a. an die Voraussetzung geknüpft, dass der Handelsvertreter neue Kunden geworben hat und der Unternehmer aus diesen Geschäftsverbindungen auch nach Vertragsende noch erhebliche Vorteile zieht.

In dem zur Entscheidung stehenden Sachverhalt hatte ein Brillenhersteller einem Handelsvertreter lediglich einen Teil seines Sortiments zum Vertrieb zugewiesen. Zugleich war dem Handelsvertreter eine Liste mit Kunden zur Verfügung gestellt worden, die bereits andere, dem Handelsvertreter nicht anvertraute Brillenkollektionen vom Unternehmen erworben hatten. Das Unternehmen stellte sich auf den Standpunkt, dass diese Kunden keine Neukunden seien und daher bei der Berechnung des Ausgleichsanspruches nicht zu berücksichtigen seien.

Der BGH hat in seinen Urteilsgründen betont, dass der Begriff des Neukunden nicht eng auszulegen ist. Die von einem Handelsvertreter geworbenen Kunden könnten auch dann als neue Kunden anzusehen sein, wenn sie bereits in einer Geschäftsbeziehung zu dem Unternehmen stünden. Dies komme jedenfalls dann in Betracht, wenn der Handelsvertreter, der lediglich mit dem Vertrieb eines Teils der Warenpalette des Unternehmens beauftragt ist, eine Geschäftsbeziehung mit dem Kunden gerade in Bezug auf die im anvertrauten Produkte durch eigene Bemühungen herstelle. Nach Auffassung des BGH komme es entscheidend darauf an, ob der Vertrieb besondere Vermittlungsbemühungen oder Verkaufsstrategien des Handelsvertreters im Hinblick auf die Begründung einer speziellen Geschäftsverbindung mit dem Kunden erfordert habe.

Fazit: Der BGH folgt damit der Argumentation des EuGH (Urteil vom 7. April 2016, Az.  C-315/14), dem der obigen Sachverhalt bereits im Wege eines Vorlageersuchens zur Entscheidung vorgelegt worden war (wegen entsprechender Auslegung der dem § 89 b HGB zu Grunde liegenden europäischen Handelsvertreterrichtlinie). Im Ergebnis wird die Position des Handelsvertreters durch die obige Rechtsprechung merklich gestärkt. Unternehmen sollten sich bei der Gestaltung ihres Vertriebssystems dessen bewusst sein, zumal der Ausgleichsanspruch die Höhe der durchschnittlichen Jahresprovision der letzten fünf Jahre erreichen und für das Unternehmen eine nicht unerheblichen finanziellen Belastung darstellen kann.

Rechtsanwältin Ruth Witten-Violetti

Joanna Ligus, Aplikant radcowski

dmp@derra-d.de

Stand: 11/2016

Der BGH hat in einer aktuellen Entscheidung (Urteil vom 6.10.2016, Az. VII ZR 328/12) den Begriff des Neukunden präzisiert, dem bei der Feststellung des in § 89 b HGB geregelten Ausgleichsanspruchs des Handelsvertreter eine wesentliche Bedeutung zukommt. Der Ausgleichsanspruch des Handelsvertreters nach Beendigung des Vertragsverhältnisses mit einem Unternehmen ist u.a. an die Voraussetzung geknüpft, dass der Handelsvertreter neue Kunden geworben hat und der Unternehmer aus diesen Geschäftsverbindungen auch nach Vertragsende noch erhebliche Vorteile zieht.

In dem zur Entscheidung stehenden Sachverhalt hatte ein Brillenhersteller einem Handelsvertreter lediglich einen Teil seines Sortiments zum Vertrieb zugewiesen. Zugleich war dem Handelsvertreter eine Liste mit Kunden zur Verfügung gestellt worden, die bereits andere, dem Handelsvertreter nicht anvertraute Brillenkollektionen vom Unternehmen erworben hatten. Das Unternehmen stellte sich auf den Standpunkt, dass diese Kunden keine Neukunden seien und daher bei der Berechnung des Ausgleichsanspruches nicht zu berücksichtigen seien.

Der BGH hat in seinen Urteilsgründen betont, dass der Begriff des Neukunden nicht eng auszulegen ist. Die von einem Handelsvertreter geworbenen Kunden könnten auch dann als neue Kunden anzusehen sein, wenn sie bereits in einer Geschäftsbeziehung zu dem Unternehmen stünden. Dies komme jedenfalls dann in Betracht, wenn der Handelsvertreter, der lediglich mit dem Vertrieb eines Teils der Warenpalette des Unternehmens beauftragt ist, eine Geschäftsbeziehung mit dem Kunden gerade in Bezug auf die im anvertrauten Produkte durch eigene Bemühungen herstelle. Nach Auffassung des BGH komme es entscheidend darauf an, ob der Vertrieb besondere Vermittlungsbemühungen oder Verkaufsstrategien des Handelsvertreters im Hinblick auf die Begründung einer speziellen Geschäftsverbindung mit dem Kunden erfordert habe.

Fazit: Der BGH folgt damit der Argumentation des EuGH (Urteil vom 7. April 2016, Az.  C-315/14), dem der obigen Sachverhalt bereits im Wege eines Vorlageersuchens zur Entscheidung vorgelegt worden war (wegen entsprechender Auslegung der dem § 89 b HGB zu Grunde liegenden europäischen Handelsvertreterrichtlinie). Im Ergebnis wird die Position des Handelsvertreters durch die obige Rechtsprechung merklich gestärkt. Unternehmen sollten sich bei der Gestaltung ihres Vertriebssystems dessen bewusst sein, zumal der Ausgleichsanspruch die Höhe der durchschnittlichen Jahresprovision der letzten fünf Jahre erreichen und für das Unternehmen eine nicht unerheblichen finanziellen Belastung darstellen kann.

Rechtsanwältin Ruth Witten-Violetti

Joanna Ligus, Aplikant radcowski

dmp@derra-d.de

Stand: 11/2016

14 Nov
2016

Ausschluss des Ausgleichsanspruchs in Vertragshändlerverträgen – BGH klärt bislang streitige Rechtslage

Nach Beendigung einer Vertragsbeziehung zwischen Hersteller und Vertragshändler kommt es häufig zum Streit über einen möglicher Weise zu Gunsten des Vertragshändlers bestehenden Ausgleichsanspruch, der je nach Vertragsdauer und Umsatzvolumen beträchtliche Summen erreichen kann.

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Nach Beendigung einer Vertragsbeziehung zwischen Hersteller und Vertragshändler kommt es häufig zum Streit über einen möglicher Weise zu Gunsten des Vertragshändlers bestehenden Ausgleichsanspruch, der je nach Vertragsdauer und Umsatzvolumen beträchtliche Summen erreichen kann. Im deutschen Recht ist es seit jeher anerkannt, dass eine solche Abfindung im Wege einer analogen Anwendung der Vorschriften über das Recht des Handelsvertreters (§ 89 b HGB) grundsätzlich auch dem Vertragshändler zusteht. Voraussetzung ist allerdings, dass dessen Tätigkeit gegenüber der des Handelsvertreters gewisse Parallelen aufweist. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn der Vertragshändler ähnlich dem Handelsvertreter in die Absatzorganisation eines Unternehmens eingegliedert ist oder bei Beendigung des Vertrags zur Übertragung des Kundenstamms an den Hersteller verpflichtet ist. Häufig versuchen Herstellerunternehmen daher, den Ausgleichsanspruch des Vertragshändlers bereits im Voraus vertraglich auszuschließen.

In einer aktuellen Entscheidung (Urteil vom 25.02.2016, VII ZR 102/15) hatte der BGH über die Zulässigkeit eines solchen Ausschlusses zu befinden, der zu Lasten eines im europäischen Ausland für einen deutschen Hersteller tätigen Vertragshändlers vereinbart worden war. Im Streit stand die bislang höchstrichterlich nicht geklärte Frage, ob das nach deutschem Recht für den Ausgleichsanspruch des Handelsvertreters geltende Ausschlussverbot auch auf einen Vertragshändler entsprechend Anwendung findet, der innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (Vertragsstaaten des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum – EWR ) tätig ist. Bei Handelsvertreterverträgen kann nach aktueller Gesetzeslage der Ausgleich nur dann ausgeschlossen werden, wenn das Vertragsgebiet des Handelsvertreters außerhalb der EU bzw. des EWR liegt.

Der BGH hat diese Frage nunmehr entschieden und festgestellt, dass das Ausschlussverbot bei einem dem deutschen Recht unterstehenden Vertragshändlervertrag auch dann gilt, wenn das Tätigkeitsgebiet des Vertragshändlers in der EU bzw. im EWR liegt. Der Vertragshändler sei hier in gleichem Maße schutzwürdig wie der Handelsvertreter. Auf Grund der vom Gesetzgeber gewollten ausgleichsrechtlichen Gleichbehandlung von Handelsvertretern und Vertragshändlern sei nicht danach zu differenzieren, ob der Vertragshändler im Inland oder im europäischen Ausland tätig sei. Dass das Vertragshändlerrecht auf europäischer Ebene entgegen dem Handelsvertreterrecht nicht vereinheitlicht sei, stünde nicht entgegen.

Fazit: Damit besteht nunmehr Klarheit - ein Ausschluss des Ausgleichsanspruches des Vertragshändlers ist nur für Tätigkeiten möglich, die sich auf ein außerhalb der EU bzw. des EWR liegendes Vertragsgebiet beziehen. Angesichts dieser sehr wichtigen Entscheidung des BGH sollten bereits bestehende Verträge überprüft bzw. beim Abschluss neuer Verträge der Frage der Rechtswahl eine besondere Bedeutung beigemessen werden. Hätte der Vertrag beispielsweise dem schwedischen Recht unterstanden (dem Recht am Sitz des Vertragshändlers in dem BGH-Fall), wäre ein Ausschluss des Abfindungsanspruchs wohl wirksam gewesen. Dieser Fall zeigt deutlich, wie wünschenswert eine Harmonisierung des Vertragshändlerrechts  auf europäischer Ebene wäre.

Rechtsanwältin Ruth Witten-Violetti

dmp@derra-d.de

Stand: 11/2016

Nach Beendigung einer Vertragsbeziehung zwischen Hersteller und Vertragshändler kommt es häufig zum Streit über einen möglicher Weise zu Gunsten des Vertragshändlers bestehenden Ausgleichsanspruch, der je nach Vertragsdauer und Umsatzvolumen beträchtliche Summen erreichen kann. Im deutschen Recht ist es seit jeher anerkannt, dass eine solche Abfindung im Wege einer analogen Anwendung der Vorschriften über das Recht des Handelsvertreters (§ 89 b HGB) grundsätzlich auch dem Vertragshändler zusteht. Voraussetzung ist allerdings, dass dessen Tätigkeit gegenüber der des Handelsvertreters gewisse Parallelen aufweist. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn der Vertragshändler ähnlich dem Handelsvertreter in die Absatzorganisation eines Unternehmens eingegliedert ist oder bei Beendigung des Vertrags zur Übertragung des Kundenstamms an den Hersteller verpflichtet ist. Häufig versuchen Herstellerunternehmen daher, den Ausgleichsanspruch des Vertragshändlers bereits im Voraus vertraglich auszuschließen.

In einer aktuellen Entscheidung (Urteil vom 25.02.2016, VII ZR 102/15) hatte der BGH über die Zulässigkeit eines solchen Ausschlusses zu befinden, der zu Lasten eines im europäischen Ausland für einen deutschen Hersteller tätigen Vertragshändlers vereinbart worden war. Im Streit stand die bislang höchstrichterlich nicht geklärte Frage, ob das nach deutschem Recht für den Ausgleichsanspruch des Handelsvertreters geltende Ausschlussverbot auch auf einen Vertragshändler entsprechend Anwendung findet, der innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (Vertragsstaaten des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum – EWR ) tätig ist. Bei Handelsvertreterverträgen kann nach aktueller Gesetzeslage der Ausgleich nur dann ausgeschlossen werden, wenn das Vertragsgebiet des Handelsvertreters außerhalb der EU bzw. des EWR liegt.

Der BGH hat diese Frage nunmehr entschieden und festgestellt, dass das Ausschlussverbot bei einem dem deutschen Recht unterstehenden Vertragshändlervertrag auch dann gilt, wenn das Tätigkeitsgebiet des Vertragshändlers in der EU bzw. im EWR liegt. Der Vertragshändler sei hier in gleichem Maße schutzwürdig wie der Handelsvertreter. Auf Grund der vom Gesetzgeber gewollten ausgleichsrechtlichen Gleichbehandlung von Handelsvertretern und Vertragshändlern sei nicht danach zu differenzieren, ob der Vertragshändler im Inland oder im europäischen Ausland tätig sei. Dass das Vertragshändlerrecht auf europäischer Ebene entgegen dem Handelsvertreterrecht nicht vereinheitlicht sei, stünde nicht entgegen.

Fazit: Damit besteht nunmehr Klarheit - ein Ausschluss des Ausgleichsanspruches des Vertragshändlers ist nur für Tätigkeiten möglich, die sich auf ein außerhalb der EU bzw. des EWR liegendes Vertragsgebiet beziehen. Angesichts dieser sehr wichtigen Entscheidung des BGH sollten bereits bestehende Verträge überprüft bzw. beim Abschluss neuer Verträge der Frage der Rechtswahl eine besondere Bedeutung beigemessen werden. Hätte der Vertrag beispielsweise dem schwedischen Recht unterstanden (dem Recht am Sitz des Vertragshändlers in dem BGH-Fall), wäre ein Ausschluss des Abfindungsanspruchs wohl wirksam gewesen. Dieser Fall zeigt deutlich, wie wünschenswert eine Harmonisierung des Vertragshändlerrechts  auf europäischer Ebene wäre.

Rechtsanwältin Ruth Witten-Violetti

dmp@derra-d.de

Stand: 11/2016